Gestalt und Heiligkeitder Groteske
Leopold Schmidt zumhundertsten Geburtstag*
Martin Scharfe
Leopold Schmidt wäre am 15. März 2012 hundert Jah-re alt geworden- es ist Zeit, mit den Versuchen einerspäten und reifen Würdigung zu beginnen. Doch wiemacht man das, wie läßt sich einer würdigen, der Aber-tausende von Druckseiten in erstaunlicher thematischerWeite vorgelegt hat- wie wird man dem Polyhistor ge-recht? Vielleicht kann Würdigung nur gelingen, indemman sich bescheidet und den Blick beschränkt auf eineinziges Motiv, etwa auf das Thema der Groteske unddes Grotesken, das für Schmidts Werk- so die Behaup-tung- bezeichnender ist, als man zunächst erwarten undmeinen mag. Die Betrachtung des Grotesken( als eines> Lebens in überlieferten Unordnungen<) könnte auchdazu anreizen, an der Groteske die Schmidtsche The-se der Gestaltheiligkeit zu überprüfen- also die These,daß allein schon die Gestalt oder äußere Form einer kul-turellen Objektivation besondere Bedeutung habe.
Festvortrag im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien, am 16. März 2012;die ersten drei Abschnitte konnte ich aus Zeitgründen nicht vortragen. Den Stil dermündlichen Rede habe ich beibehalten.