Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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neuer Dings

>> Zuweisung an das k.k. Museum für österreichische Volkskunde<<.Eine Silberfiligranarbeit in der Sammlung des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde

Das Objekt mit der Inventarnummer ÖMV 85.940 fasziniert auf denersten Blick durch die Schönheit seiner Ausführung. Die Ampel ausfeinsten Silber- und Messingfiligranfäden ist durchbrochen gearbeitet.'Grüne Verfärbungen an den Rändern lassen vermuten, dass Kupfer-drähte umwickelt wurden. Neben zahlreichen Verzierungen weist dieArbeit an besonders hervorgehobenen Stellen einige Schmucksteinedarunter Granat und Koralle auf. Die Ampel hängt an drei ebenfallsaus Silber in Filigrantechnik gearbeiteten Ketten. Zum Objekt gehörtein einfach ziselierter Transportbehälter aus Eisenblech.

Filigranarbeit bezeichnet feine Goldschmiedearbeiten aus Metall-fäden. Dabei werden zierliche Drähte zu Seilen geflochten, diese bil-den die Grundlage zur Herstellung der eigentlichen Gegenstände. Seitder Antike ist diese Technik der Metallbearbeitung bekannt. Bis ins20. Jahrhundert wurden die Drahtgeflechte auf gleichartiges Metall ge-lötet, danach entstanden die feinen Arbeiten auch ohne Unterlage.2

Die Ampel samt Behältnis wurde 2012 nachinventarisiert, in dieSammlungen des Museums fanden die Objekte jedoch bereits im No-vember 1917 Eingang. Dank dem im Archiv aufbewahrten Schriftver-kehr³ kennen wir die näheren Umstände dieser besonderen Schenkung:Der albanische Silberarbeiter Staka Marko aus Priština- die Stadt warvon 1915 bis 1918 von österreich- ungarischen Truppen besetzt hatte>> behufs Unterbreitung an allerhöchster Stelle«< drei Gegenstände ange-fertigt: einen Tschibuk( eine Tabakspfeife), einen Bilderrahmen undeine Ampel, und schickte sie an den Wiener Kaiserhof. Kaiser Karl I.nahm die Silberfiligranarbeiten» huldreichst« an und wies die Objektevia seinem Oberstkämmerer sogleich dem damaligen k.k. Museum für

1 Maße: Ampel: H: 74,5 cm, D: 9 cm; Transportbehälter: H: 23 cm, D: 15 cm

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Arti Popullor ne Shqiperi/ People's Art in Albania/ L'art populaire en Albanie.Tirane, Akademia e Shkencave e rp te Shqiperise, Instituti i Historise, Sektori iEtnografise 1976, 156 S., zahlr. Ill.

Herkunftsakt zu ÖMV 85.940 im Archiv des Österreichischen Museums fürVolkskunde: Brief von Seiner k.u.k. Apostolischen Majestät Oberstkämmerer-Amte, 20. November 1917.

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