Literatur der Volkskunde
Gerlinde Malli:» Sie müssen nur wollen«. Gefährdete Jugendlicheim institutionellen Setting. Konstanz: UVK 2010, 198 Seiten.Gilles Reckinger: Perspektive Prekarität. Wege benachteiligterJugendlicher in den transformierten Arbeitsmarkt. Konstanz:UVK 2010, 180 Seiten.
Diana Reiners: Verinnerlichte Prekarität. Jugendliche MigrantInnenam Rande der Arbeitsgesellschaft. Konstanz: UVK 2010, 236 Seiten.
Das DOC- Team- Programm der österreichischen Akademie der Wis-senschaften macht die Kooperation von ForscherInnen sowie die Ent-wicklung eines integrativen Konzepts zur Auflage für eine Förderung.Wie außerordentlich gewinnbringend das teamorientierte Arbeiten seinkann, zeigen die drei Grazer Dissertationen von Gerlinde Malli, Gil-les Reckinger und Diana Reiners. Alle drei Arbeiten sind im Kontextvon einflussreichen Studien zur Prekaritätsforschung entstanden, allenvoran Pierre Bourdieu: Das Elend der Welt( 1993, dt. 1997), der auchfür die Forschungen des Betreuungsteams wegweisend war, darunterElisabeth Katschnig- Fasch( Hg.: Das ganz alltägliche Elend, 2003) undFranz Schultheis und Kristina Schulz( Hg.: Gesellschaft mit begrenz-ter Haftung, 2005). Die Ethnopsychoanalytikerin Florence Weiss su-pervidierte die Projekte. Das Ziel der drei Dissertationen ist es, mitethnografischer Forschung ökonomische, soziale und kulturelle Trans-formationen anhand ihrer Auswirkungen auf Jugendliche und ihrezifischen Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu beleuchten unddie Auswirkungen von Politik und Ökonomie auf die Lebensweltender AkteurInnen sichtbar zu machen. Damit erhalten die Bücher eben-so kulturwissenschaftliche wie gesellschaftliche Relevanz.
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Gemeinsam ist den Autorinnen und dem Autor zudem der em-pirische Zugang mittels qualitativer Interviews und teilnehmenderBeobachtungen in einer dreijährigen Langzeitethnografie sowie derhochreflektierte Umgang mit der Subjektivität der Forschenden nachethnopsychoanalytischen Anforderungen. Hierin liegt, soviel sei hiergesagt, eine große Stärke aller drei Arbeiten: Die Art und Weise,wie Herangehensweisen transparent gemacht, Konflikte offen gelegtund die Dynamiken der Beziehungen befragt und reflektiert wird, gehtüber Selbstreflektionen hinaus und zeigt wiederum das große Potentialdes vernetzten Forschens auf.
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