Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
218
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218 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2

Karl C. Berger, Margot Schindler, Ingo Schneider( Hg.): Erb.gut?Kulturelles Erbe zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom14.- 17.11.2007 in Innsbruck(= Buchreihe der ÖsterreichischenZeitschrift für Volkskunde 23).

Wien: Verein für Volkskunde 2009, 472 Seiten.

Der vorliegende Tagungsband zeigt in beeindruckender Form die Wirk-macht des Konzeptes Kulturerbe. Vom Klimawandel( Rieken) undFasching( Tauschek, Vojnancová/ Nosková) über Tourismus( Bakay,Fisher, Kaneshiro- Hauptmann, Lauterbach) und Museen( Steininger)bis hin zu Architektur( Scharnholz) und Pilzen( Stadelmann) scheintdas kulturelle Erbe zumindest auf terminologischer Ebene Einzug ge-halten zu haben. Ingo Schneider spricht in seinem Einführungsvortragzurecht von Kulturerbe und verwandten Begriffen als» inflationär ver-wendete Modewörter in öffentlichen Diskursen«( S. 11). Die Konjunk-tur, die man dem Konzept wohl ohne zu zögern attestieren kann, istdabei sowohl in der wissenschaftlichen wie auch in der gesellschaft-lichen und politischen Verwendung des Begriffes anzutreffen. Damitund auch das zeigt der Band- liegt jedoch bei weitem noch keineinheitliches analytisches oder theoretisches Konzept vor, mit dem dieeuropäische Ethnologie jener Konjunktur entgegnen könnte, und sei esauch nur zwecks einer schärferen Bestimmung des Gegenstandes. Eherhandelt es sich bei» Erb.gut? Kulturelles Erbe zwischen Wissenschaftund Gesellschaft« um eine Bestandsaufnahme von Forschungsansät-zen, Feldern und Themen, bei denen die insgesamt 43 Autoren desBandes die Kategorie Kulturerbe als fruchtbar erachtet haben. Für einesolchen>> sammelnden« Charakter spricht auch die relativ kurze Einlei-tung( Schneider), in der zwar in groben Zügen grundlegende Aspekteund Unterscheidungen beleuchtet werden, nicht aber der Versuch un-ternommen wird, die zusammengeführten Beiträge weitergehend zuordnen und auf Grenzen des Konzeptes, zentrale Thesen und Diffe-renzen einzugehen. Die Unterteilung der Tagung in Sektionen(» VomNutzen und Nachteil des Erbes«,» Constructing Heritage«,» Touris-mus«,» Umgang mit Kulturellem Erbe«,» Wiederkehr der Traditio-nen«,» Natur- Kultur- Diskurse« und» Erbfabrik UNESCO«) wurdefür den Tagungsband bedauernswerterweise nicht übernommen, undauch auf eine Gruppierung thematisch verwandter Artikel wurde ver-