226 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2
andere Werke stilbildend wirken, die sich ebenfalls an eine breitereÖffentlichkeit wenden.
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Es wäre- wie bei nahezu allen Lexika ein Leichtes, die Stich-wortauswahl der HerausgeberInnen im Detail zu kritisieren oder inFrage zu stellen: Warum weder» Mobilität«< noch» Migration«<? Wa-rum dagegen ausgerechnet» Cyborgs« und» visuelle Inszenierung«<?Eine solche Beckmesserei aber wäre unangebracht gegenüber einemWerk, das in innovativer und zugleich solider Weise wesentliche Struk-turmomente spätmoderner Gesellschaften zusammenträgt und zu ihrerkritischen Diskussion beiträgt. Jedes Lexikon ist ein neues Füllhornvon Angeboten: Ärgern wir uns also nicht weiter über die fehlendenArtikel, freuen wir uns vielmehr über die vorhandenen! Denn die sindin vielen Fällen von bestechender Qualität. Schon die Galerie der 117Autorinnen und Autoren spricht für sich: Von Arjun Appadurai undUlrich Beck über Jean und John Comaroff, Maurice Godelier und UlfHannerz bis hin zu Marshall Sahlins und Ruth Wodak ist hier eine>> crème de la crème« der internationalen Kultur- und Sozialanthropo-logie sowie angrenzender Fächer versammelt, die ihre Beiträge fastdurchgehend als Originalbeiträge für dieses Lexikon verfasst hat. Dendrei HerausgeberInnen ist damit ein Nachschlagewerk gelungen, dasin den kommenden Jahren eine wichtige Referenz sein wird. Dass mitWolfgang Kaschuba, Michi Knecht, Konrad Köstlin, Ramona Lenzund Bernhard Tschofen auch VertreterInnen der Europäischen Ethno-logie mit dabei sind, wird von Seiten unserer Disziplin natürlich gernezur Kenntnis genommen. Ein umfassendes, anregendes und nützlichesBuch!
Jens Wietschorke
Anne Kwaschik, Mario Wimmer( Hg.): Von der Arbeit des Historikers.Ein Wörterbuch zu Theorie und Praxis der Geschichtswissenschaft.Bielefeld: Transkript Verlag 2010, 240 Seiten.
Es ist wohltuend, wenn in all dem Sprechen und Schreiben in Super-lativen und Eindeutigkeiten, das auch in den Wissenschaften intensivpraktiziert wird, ein Buch anders, nämlich bescheiden tituliert ist: Mit> einem< Wörterbuch, so die umsichtige Zuordnung zu einem Genre,