234 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2
Wallnöfer gelingt es zwar, durch kurze, übersichtliche Kapitel diehistorischen Zusammenhänge klar und verständlich aufzuzeigen undihre Argumentation nachvollziehbar zu machen. Durch die Kombina-tion unzureichender Zitation und mangelnder Einbettung der Arbeitin den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs, teils polemische Formu-lierungen und wiederholter persönlicher kirchenpolitischer Positionie-rung beschneidet sie allerdings selbst die Reichweite, die ihre Arbeitschon aufgrund der spannenden Fragestellung und vor allem der hohenRelevanz des Themas haben könnte. Bei fundierterer wissenschaftli-cher Arbeitsweise hätte das Werk» Geraubte Tradition« durchaus einGrundlagenwerk zum Thema darstellen können, aktuell vermag es zu-mindest einen interessanten Überblick über Ziel und Vorgehensweiseder Nationalsozialisten bei ihren Germanisierungsbestrebungen sowieüber die wichtigsten Bräuche im deutschsprachigen Raum und ihreRolle und Umdeutung im Dritten Reich zu geben.
Edith Hessenberger
Kaspar Maase: Die Kinder der Massenkultur.
Kontroversen um Schmutz und Schund seit dem Kaiserreich.Frankfurt am Main: Campus 2012, 424 Seiten, zahlr. farb. und s/ w Abb.
Der hier zu besprechende Band ist alles andere als ein Leichtgewicht:Er zieht die Bilanz aus 20 Jahren Auseinandersetzung des Autorsmit seinem Thema. Wie kaum ein anderer Kulturwissenschaftler imdeutschsprachigen Raum hat Kaspar Maase die Geschichte der mo-dernen Massenkultur aufgearbeitet, vor allem aber hat er sie als eineGeschichte kulturkritischer und pädagogischer Debatten und Inter-ventionen erzählt, in der sich soziale Positionskämpfe im Übergangzur Mediengesellschaft spiegeln. Nicht zuletzt durch seine Arbeiten istdeutlich geworden, dass sich das populäre Vergnügen kaum verstehenlässt, ohne dessen Gegner und Kritiker in den Blick zu nehmen: Volks-erzieher und Pädagogen, Jugendpfleger und Pastoren, Polizisten undZensoren, bildungsbürgerliche Hüter des guten Geschmacks und der>> deutschen Kultur«, aber auch sozialdemokratische Kulturfunktionäreund Publizisten. Sie alle führten einen engagierten Kampf gegen den» Schmutz und Schund«< in Wort und Bild. Besonders in der formati-