Geburtstag
An dieser Stelle soll Margot Schindler zu ihrem 60. Geburtstag am14. Dezember gegrüßt sein. Es soll sie, die Direktorin des Museums,die Generalsekretärin des Vereins, die Herausgeberin der Zeitschrift,ehren und ihr vor allem Dank sagen. Als Direktorin des Museums hattesie 2006 ein Erbe angetreten, von dem man annehmen musste, dass eskein leichtes werden würde; das Ende einer lange für selbstverständlichgehaltenen Praxis hatte sich bereits abgezeichnet.
Über Jahrzehnte nämlich war das Museum in der Laudongasseganz selbstverständlich wie ein Bundesmuseum behandelt worden.Dies geschah so ungeachtet der Tatsache, dass der Träger des Museumsein Verein ist und die Objekte des Museums sowie die umfangreicheFachbibliothek Besitz des Vereins sind. Das Museum hatte einenStellenplan wie andere Bundesmuseen und seine Direktoren warenganz selbstverständlich zur Direktorenkonferenz der Bundesmuseengeladen worden. Gewiss war das Museumsgebäude im Besitz derStadt Wien. Doch der Bund hatte zu Beginn der 1990er Jahre seineZuständigkeit für das Haus durch die Finanzierung einer großzügigenSanierung und einer Neuaufstellung der Sammlung deutlich sichtbardokumentiert. Und so glichen die Bedingungen der Museumsarbeitin jeder Hinsicht denen eines Bundesmuseums: im Namen und imSelbstverständnis. Um die Jahrtausendwende war diese Verlässlichkeit,die der Bund seit 1946 so selbstverständlich praktiziert hatte, nachund nach aufgekündigt worden. Der Bund hatte sich wie durch eineKindesweglegung vom Museum entfernt und machte das Museum zuralleinigen Angelegenheit eines x- beliebigen Vereins.
Dieses Ende der Selbstverständlichkeiten, auf das Margot Schindlertraf, machte es schwer, jene Kontinuität zu wahren, derer eine gedeih-liche und fachlich solide Arbeit bedarf. Die Bedingungen wissenschaft-licher Museumsarbeit verschlechterten sich deutlich und rapide. Ohneverlässliches Budget und personelle Bestandsgarantie durch Pen-sionierungen frei werdende Stellen wurden nicht nachbesetzt- ließsich argwöhnen, dass man das Museum langsam austrocknen wollte.Dazu gab der bauliche Zustand des Hauses immer häufiger Anlass zurSorge. Die unansehnlich gewordene Außenhaut mit maroden Fensternwirkte wenig einladend. Eine veraltete Heizung, ein undichtes Dach,Probleme, Fragen der Statik in der Bibliothek und Anderes drohtenSchäden zuzufügen und die Nutzung einzuschränken. Die Stadt alsBesitzerin des Palais kam kaum den notwendigsten Reparaturmaẞ-
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