Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

Eine regionale Variation zum Internationalen Frauentag

Anlässlich der 100. Wiederkehr des Internationalen Frauentages 2011gelangte ein besonders kleines und leichtes Objekt in die Sammlungendes Österreichischen Museums für Volkskunde. Ein grüner Buttonmit weißem Text und weißem Icon wurde von den Grünen Vorarlbergdem Museum in Wien geschenkt.¹ 2005, zum 8. März, war im Rah-men einer Straßenaktion in Bregenz dieser Anstecker verteilt worden.Es dauerte nicht lange und die vierhundert produzierten Stück warenvergriffen.²

Als solidarisch organisierter Kampf- und Feiertag existiert derInternationale Frauentag seit 1911.» Alljährlich und möglichst gleich-zeitig«<, so erinnerte sich die österreichische Sozialdemokratin The-rese Schlesinger Jahre später an die Anfänge des Frauentages, sollten>> eindrucksvolle Veranstaltungen« ³ organisiert werden, um in der Öf-fentlichkeit entsprechend Gehör für die Belange der internationalenBewegung zu finden. Der Anstecker zum Frauentag aus 2005 wirktauf den ersten Blick recht bescheiden. Er ist aus Eisenblech, hat alsokaum Wert und wenig Volumen, die Kehrseite eines Buttons ist oh-nehin immer uninteressant. Bestimmend für ein Objekt dieser Art istvielmehr seine Oberfläche, und in diesem Fall interessiert der kurze,aus dem regionalen Sprachalltag heraus entwickelte Slogan.» Vöglastatt bögla«< ist, auch wenn nicht für alle beim ersten Hinschauen alssolche verstehbar, eine politische Forderung; in Kombination mit demdurchgestrichenen Textilpflegesymbol ist die Botschaft des Buttonsaus Vorarlberg leichter zu dechiffrieren: Frauen sollen frei wählendürfen, nicht nur die politischen Parteien, sondern auch ihre Tätigkei-ten und Bedürfnisse.

1

ÖMV 86.225.

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Mit Dank an Martina Eisendle für Informationen zur Entstehungs- und Rezepti-onsgeschichte des Objektes. S. auch Martina Eisendle: Halbe Stadt für ganze Frauen!10.3.2005, http://vorarlberg.gruene.at/gemeindepolitik/artikel/lesen/50777/( Zu-

griff: 15.10.2012).

Therese Schlesinger: Meine Erinnerungen an den ersten Frauentag. In: Arbeiter-Zeitung vom 28. März 1933, S. 6, zit. in: Heidi Niederkofler, Maria Mesner, JohannaZechner( Hg.): Frauentag! Erfindung und Karriere einer Tradition. Wien 2011, S. 39.