Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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Geburtstag

Eine Spurensuche

Ein Archivkarton aus der Fotosammlung des Österreichischen Muse-ums für Volkskunde. Darauf aufgeklebt vier Miniaturfotografien. Jededieser Fotografien bildet fotografische Aufnahmen ab insgesamt sindes 55. Dargestellt: Menschen. Menschen, in meist ähnlichen Posen.Zusammengestellt wahrscheinlich, um Tracht zu veranschaulichen.

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Die Bilder stammen aus der» Coll. Prof. Wilh[ elm]. Krump«über die uns, außer der Bildunterschrift, nichts überliefert ist unddie auch die einzige Quelle zu den Bildern darstellt.» Coll[ ection]« inVerbindung mit» Prof[ essor]« deutet an, dass hier nicht nur aus reinerSchaulust gesammelt wurde, sondern dass auch ein wissenschaftlichesInteresse im Spiel war. Darüber hinaus können wir für den Momentfeststellen, dass es sich bei den vier Fotografien um komplexe Verdich-tungen handelt, in denen sich mehrere Ebenen überlagern.

Schon die Situation des Fotografierens der dargestellten Personenwirft einige Fragen auf. Wir können aus der Bildunterschrift schlie-Ben, dass es sich um Menschen handelt, die in den so genannten» So-kac- Ortschaften« gelebt haben. Wer sie waren, was sie taten, hofften,liebten, darüber werden wir nur sehr schwer etwas erfahren. Manmüsste sich dafür wahrscheinlich mit den Fotografien vor Ort begeben,um Nachfahren zu finden denen man damit vielleicht auch Bilderzurückgeben könnte, die deren Vorfahren nie gesehen haben. Wer indiesen Ortschaften mit der Kamera unterwegs war, um diese Aufnah-men( wieviele gab/ gibt es sonst noch?) zu machen Wilhelm Krumpselbst, ein kommerzieller Fotograf, ein Forscher?wissen ebenso wenig nach welchen Kriterien die Personen für die Bil-der gesucht und ausgewählt wurden. Wie wurden die Menschen dazubewegt, sich fotografieren zu lassen? Erhielten sie Bezahlung?

ist nicht klar. Wir

Die nächste Ebene auf die wir stoßen, ist die der Auswahl der 55Bilder. Wer stellte die Fotografien zusammen, aus welchem Ensemblewurden sie ausgewählt? War es eine kleine Auswahl aus einem gro-Ben Fundus? Auf unterschiedlichen Ebenen dieser Fotografien findenwir Spuren, die davon zeugen, dass jemand über die Anordnung derFotografien nachdachte. Sieht man sich die handschriftlich auf das Fo-topapier der beiden ersten Miniaturfotografien aufgetragenen Num-mern von eins bis 30 an, dann sind auf diesen einzelnen Aufnahmennoch zarte Spuren anderer Zeichen auszumachen. Wahrscheinlich wa‍

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