284 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4
Eine Kleinplastik von Ignác Bizmayer aus dem Jahr 2012.Das jüngste datierte Fayenceobjekt in der Keramiksammlungdes Österreichischen Museums für Volkskunde
Der Sammlungsbestand an Keramikobjekten des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde ist im Oktober 2012 um eine kleine figu-rale Plastik reicher geworden. Es handelt sich dabei um einen 7 cmlangen und 5,5 cm hohen Vogel aus Majolika mit der InventarnummerÖMV 86.241. Modelliert wurde er am 14. Juni 2012 auf einer Ranchin den Weinbergen von Modra in der Nähe von Bratislava. Der slo-wakische Nationalkünstler Ignác Bizmayer traf die SchülerInnen derLandesfachschule für Keramik und Ofenbau aus Stoob im Burgenlandwährend ihrer Projektwoche, die hier im Rahmen des EU- ProjektesTRA- KER' stattfand. Am Lagerfeuer sitzend, modellierten 14 Ju-gendliche und ihre Lehrer Figuren aus Stoober Ton und positioniertensie am Rand des Feuers zum raschen Trocknen. Der von Ignác Biz-mayer an diesem Abend modellierte Vogel wurde von Edwin Faller,einem der Lehrenden, mit nach Stoob genommen, um ihn dort für dasÖsterreichische Museum für Volkskunde zu brennen.
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Neben einem umfassenden kulturellen Angebot absolvierten dieSchülerInnen während ihres Aufenthaltes in der Slowakei auch Work-shops in der noch bestehenden Keramikmanufaktur Slovenská ľudovámajolika. Ignác Bizmayer selbst hatte in diesem Betrieb allerdingsnoch am ursprünglichen Standort im jetzigen Hotel Majolika inden 1930er Jahren den Beruf des Keramikers erlernt und bis 1957 dortin der Malwerkstatt gearbeitet, bevor er sich sein eigenes Atelier inModra einrichtete. Gästen gewährt er gerne Einblicke in seine um-fassende Privatsammlung. Hier befindet sich auch eine von der Formher sehr ähnliche Kleinplastik, die Bizmayer als Kind in Košolná aufdem Habanerhof, auf dem er aufwuchs, gemeinsam mit dem Kerami-ker Heřman Landsfeld ausgegraben hatte. Diese Vogelfigur weist eineblaue Grundierung auf, die Augen, die Konturen des Schnabels, die
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Das Projekt TRA- KER( Tradition aus Ton: Wege zur Wahrnehmung des kerami-schen Erbes) ist ein Projekt des Slowakischen Nationalmuseums, dem Ľudovít ŠtúrMuseum in Modra und dem Österreichischen Museum für Volkskunde. S. Beitragvon Claudia Peschel- Wacha in diesem Band.