Urbane Heimatkultur als
ideologische und sozialeSchnittstelle in der Erstenösterreichischen Republik
Magdalena Puchberger
In der Ersten österreichischen Republik formierte sichin Wien eine spezifisch urbane Heimatkultur, die vorallem von den kleinbürgerlichen und proletarischenTrachtenerhaltungsvereinen getragen wurde. Der Bei-trag setzt diese Vereine in Verbindung zu anderenGruppierungen der Heimatkultur, etwa der Österreichi-schen Heimatgesellschaft oder dem Museum für Volks-kunde. Über ideologische wie praxeologische Beispielewerden Unterschiede und Überschneidungen ebensosichtbar wie die alltagskulturelle Ausgestaltung der Hei-matkultur.
1971 machte der Mitarbeiter des Österreichischen Museums für Volks-kunde in Wien und sein späterer Direktor Klaus Beitl in einem Bei-trag die Feststellung, dass am Museum» seit einigen Jahren eine ganzbestimmte Gruppe von Großstadtvereinen, nämlich die bürgerlichenund Arbeiter-, Gebirgstrachtenerhaltungs- und Schuhplattler- Vereine,in das Blickfeld der Sammlung und Forschung getreten sind«'. DerenNachlässe waren nach den jeweiligen Vereinsauflösungen im Laufe der
1 Klaus Beitl: Großstädtische Trachtenvereine des 19. und 20. Jahrhunderts.Möglichkeiten musealer Dokumentation. In: Günter Wiegelmann: KulturellerWandel im 19. Jahrhundert. Verhandlungen des 18. Deutschen Volkskunde-Kongresses in Trier vom 13. bis 18. September 1971(= Studien zum Wandel derGesellschaft und Bildung im Neunzehnten Jahrhundert, 5). Göttingen 1973,S. 174-181, hier S. 174.