Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
379
Einzelbild herunterladen
 

Chronik der Volkskunde

>> Hitlerbauten<< in Linz. Wohnsiedlungen zwischenAlltag und Geschichte. 1938 bis zur Gegenwart.Eine Ausstellung im Museum der Stadt Linz,21. September 2012 bis 20. Jänner 2013

Das architektonische Erbe, das die nationalsozialistische Ära hinter-lassen hat, ist nach 1945 mit unterschiedlicher Aufmerksamkeit vonder Geschichtswissenschaft bearbeitet worden. Während insbesonde-re NS- Gewaltarchitektur wie Konzentrations- und Vernichtungslagervielfach schon in den ersten Jahren und Jahrzehnten nach Kriegsendezu Gedenkstätten transformiert wurden, finden erst in jüngerer Zeitrepräsentative NS- Machtarchitektur, Städteplanung und auch» Ar-chitekturen des Alltags«< vermehrt Berücksichtigung und münden inspeziellen Präsentationsformen von NS- Geschichte. Die Auseinander-setzung mit nationalsozialistischer Geschichte machte und macht ge-rade Museen und Ausstellungen zu wichtigen Medien diesbezüglicherErinnerungsarbeit.

Die Ausstellung über die so genannten Hitlerbauten in Linz( Nor-dicoMuseum der Stadt Linz, 21.9.2012–20.1.2013) mit dem Unter-titel>> Wohnsiedlungen zwischen Alltag und Geschichte. 1938 bis zurGegenwart<< verspricht auf Grund ihres spezifischen Themas( undauch auf Grund des Titels) in dieser Hinsicht eine bemerkenswertesozialgeschichtliche Perspektive und Neuausrichtung, die nicht aufRepräsentationsbauten fokussiert, sondern urbanes Wohnen für vielethematisiert und wäre deshalb ein in diese notwendigen und wichtigenBemühungen einzureihendes Projekt.

Konzeptionell teilt sich die Schau in zwei Teile: Der erste Stockwidmet sich der Architektur- und Stadtplanungsgeschichte währendder NS- Zeit und behandelt( teilweise auch im zweiten Stock) weitereAspekte der NS- Vergangenheit.' Ebenfalls im zweiten Stock werdenArbeiten und Installationen von KünstlerInnen gezeigt, die zum Teileinen alltagshistorischen Zugang vorstellen. Als Kuratorinnen zeich-

1

Die Raumthemen im ersten Stock lauten» Späte Urbanisierung«,» 1938 Linz wirdHitlers> Patenstadt««,» Inszenierter Faschismus«,» Zur Gesundung der deutschenWirtschaft«<,>> Wohnungen für die Volksgemeinschaft«<,» Was hat das mit den> Hit-lerbauten zu tun?« und im zweiten Stock» Luftkrieg und Städtebau<<,>> Sichtbar unddoch beschwiegen<<.

379