Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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Chronik der Volkskunde

45. Internationales Symposium für Keramikforschung.Schloss Karlsruhe, 24.- 29. September 2012

Das 45. internationale Symposium für Keramikforschung fand von 24.bis 29. September 2012 im Badischen Landesmuseum in Schloss Karls-ruhe statt. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf Keramik in Baden undim Elsass. Nach der Begrüßung durch den Generaldirektor Harald Sie-benmorgen, durch den Kurator für Keramik, Arthur Mehlstäubler undden Vorstand des Arbeitskreises für Keramikforschung, Sally Schöne,bereitete Andreas Heege die rund hundert TeilnehmerInnen internati-onaler Provenienz auf die Exkursionen zu Töpferorten im Elsass vor.

Betschdorf ist bekannt für Steinzeug, das dort ab 1717 von ausdem Westerwald ausgewanderten Töpferfamilien hergestellt wurde.Zahlreiche Werkstätten säumen die Hauptstrasse mit den malerischenFachwerkhäusern, im historistischen Museumsgebäude von Hague-nau sind mittelalterliche Steinzeugfunde ausgestellt. Soufflenheim istbekannt für malhornverzierte Irdenware. Im 19. Jahrhundert nähertesich die Produktion jener in Hessen und der Ostschweiz an, vermut-lich aus Gründen der Gesellenwanderung. Paar- oder Hochzeitskrüge,Besteckkörbe, Kammhalter und Guglhupfformen wurden in den Fa-milienbetrieben im landwirtschaftlichen Nebenerwerb hergestellt.Zahleiche Töpfereien im Ort laden noch heute zum Kaufen ein.

In den Vortragsblöcken davor ging es um spätmittelalterliche Ofen-kacheln im Breisgau( u.a. auch von Hans Kraut), in der Ostschweiz( Funde in Alt- Weesen, das 1388 abgebrannt ist), in der Niederlausitz( Horno) und in den Niederlanden( Deventer und Zwolle). ClaudiaMelisch berichtete von Funden schwarz glasierter Kacheln von min-destens 22 Öfen des 17. und 18. Jahrhunderts aus Grabungen in Berlin.

Sarah Leib, Dissertantin am Institut für Archäologie an der Univer-sität Innsbruck, präsentierte ausgewählte mittelalterliche und frühneu-zeitliche Ofenkeramik aus Tirol und Vorarlberg. Nach den Studien vonJ. Ringler in den 1950er bzw. 1960er Jahren gab es 1990 den Grabungs-bericht» Das alte Hafnerhandwerk im Lande Tirol« und in der Folgeeinige Bände aus der Reihe NEARCHOS. Die Referentin bearbeiteteetwa 7.000 Objekte. Das Vorarlberger Material weist, wie Leib zei-gen konnte, eine starke Affinität zum Schweizer Raum auf, das TirolerMaterial ist eng mit Südtirol verbunden. Erich Moser, Landeshafner-innungsmeister von Tirol, berichtete über die Ötztaler Öfen und mit

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