Chronik der Volkskunde
Visualisierte Minderheiten. Probleme und Möglichkeiten der musealenPräsentation von ethnischen bzw. nationalen Minderheiten.
Institut für Sächsische Geschichte und Landeskunde( ISGV), Dresdenin Zusammenarbeit mit dem Collegium Bohemicum, Ústí nad Labem.Dresden, 30.- 31. März 2012
Das Institut für Sächsische Geschichte und Landeskunde hatte nachDresden eingeladen, um» aus der Perspektive der musealen Präsen-tation von ethnischen oder nationalen Minderheiten sowie der in-terethnisch geprägten Regionen«( CfP der Tagung) Funktion undgesellschaftliche Relevanz des Museums zu diskutieren. Die Tagungstand im Zusammenhang mit einem Ziel 3/ Cíl 3- Projekt, innerhalbdessen mit der tschechischen Partnerinstitution Collegium Bohemi-cum das Konzept für ein in Ústí nad Labem/ Aussig zu errichtendesMuseum zur Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung der böh-mischen Länder erarbeitet wird.
Die Reihe der theoretischen Betrachtungen zum Thema>> Museumund Minderheiten« wurde von Petr Lozoviuk eingeleitet. Er beschrieb>> Minderheitenmuseen« als speziellen Typus einer Wissen vermitteln-den Institution mit eigenen erinnerungspolitischen Voraussetzungenund Zielen. Diese Museen entstünden zu einem Zeitpunkt, zu demihr Thema bereits im Verschwinden begriffen sei. Lozoviuk zeichnetedie Rolle von Museen im Prozess der Definition von Minderheitennach, um dann am Beispiel des im Aufbau befindlichen Museums inÚstí nad Labem einen neuen, von Multiperspektivität gekennzeich-neten Umgang mit» Minderheiten« im Museum zu präsentieren. DieKategorie» Minderheit«< wurde in Konrad Köstlins Referat als>> Kate-gorie der Moderne« vorgestellt. In dem Maße, in dem Sprache im 19.Jahrhundert zum neuen» Sacrum« geworden sei, hätten andere Kate-gorien der Gruppenbildung an Bedeutung verloren. Die Homogenitäteiner geeinten Sprachnation sei als Fluchtpunkt einer zivilisationskri-tischen Moderne zu sehen, so Köstlin, die sich mit der Idee des öf-fentlichen Museums eine Institution geschaffen habe, mit Hilfe dererGemeinschaften ihre eigene Geschichte herstellten. Köstlin zeigte, wieMusealisierung Desintegration bedeuten kann, wie Museen Minder-heiten erst schaffen und wie so unter dem Vorwand der Inklusion Ex-klusion betrieben wird. Die für die Ausstellung in Ústí nad Labemquasi als Motto gewählte Formel» Unsere Deutschen« etwa sei kri-
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