Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
418
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418 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

>> The New Public Good«. Affects and Techniques

of Flexible Bureaucracies.

Centre for Research in the Arts, Social Sciencesand Humanities( CRASSH), Universität Cambridge,Großbritannien, 23.- 24. März 2012

LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4

Bürokratien als Objekte der volkskundlich- ethnologischen Forschungsind bislang eher eine Randerscheinung. Häufig wird das Feld, mitVerweis auf Max Webers» Eisernen Käfig«, der Soziologie überlas-sen. Bürokratien erscheinen als undurchdringliche und seelenloseMaschinerien, Bürokraten als Rädchen im System ohne eigene Hand-lungsmacht oder auch nur Handlungswillen. Ethnographische Feldfor-schungen und teilnehmende Beobachtungen scheinen angesichts einessolch unwegsamen Geländes bereits a priori zum Scheitern verurteilt.

Allerdings sind in den letzten Jahren Bürokratien, auch und ge-rade im Zuge ethnologischer Policy- Forschung, zunehmend in denFokus ethnologischer und sozial- und kulturanthropologischer For-schung geraten. So hat die Zeitschrift Political and Legal AnthropologyReview( POLAR) der ethnographischen Annäherung an Bürokratie imletzten Jahr ein Special Issue gewidmet. Im Zuge des neuen ethnolo-gischen Interesses an Bürokratie nahm die Konferenz am Centre forResearch in the Arts, Social Sciences and Humanities( CRASSH) ander Universität Cambridge traditionelle Forschungen zu Bürokratienals Ausgangspunkt, um den Blick auf einen neuen globalen Trend zuwerfen: So genannte» Flexible Bürokratien« und» Neue ÖffentlicheGüter<< standen vom 23. bis 24. März im Zentrum der Konferenz, zuder Nayanika Mathur( Cambridge) und Laura Bear( London Schoolof Economics/ LSE) aufgerufen hatten. Zentral war die Frage nachdem» Neuen« an den» neuen öffentlichen Gütern«. Sind es Neue-rungen in den Bereichen der Transparenz und Rechenschaftspflichtund damit auch veränderte Machtverteilungen, Einfluss auf Effizienzoder auch neue Technologien? Oder manifestiert sich diese angeblicheNeuartigkeit vielmehr in Transformationen ganz alltäglicher Verwal-tungstechnologien? Welche Affekte werden hier generiert? Welchenicht- intendierten Konsequenzen zeitigen diese moralischen wie po-litischen Veränderungen für die Herrschaftspraktiken, die im Namender neuen öffentlichen Güter eingeführt werden? Wie beeinflusst diesden Staat und die Vorstellung, die verschiedene Akteure von ihm ha-