Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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Literatur der Volkskunde

Heimo Cerny: Vierkanter. Wahrzeichen des Mostviertels.Atzenbrugg: Volkskultur Niederösterreich GmbH 2012,

304 S., zahlreiche Abb. u. Pläne.

Im Jahre 2012 fanden im Freilichtmuseum Sumerauerhof bei St. Flo-rian und im Stift Seitenstetten zeitgleich die Ausstellungen» Lebenim Vierkanthof<< statt. Vierkanter sind die prägende Bauernhausformdes oberösterreichischen Zentralraumes sowie großer Teile des an-schließenden niederösterreichischen Mostviertels; ihren Namen bzw.dessen Verbreitung verdanken sie einem der Pioniere der Bauernhaus-forschung in Österreich, Gustav Bancalari, der ihn 1893 erstmals ver-wendete. Im Vierkanter sieht Arthur Haberlandt einen>> geschlossenenVierseithof mit firstgleich vereinheitlichtem Dach«, bei dem daher, soder Architekt Rudolf Heckl in einer ähnlichen Definition,» Wohnhaus,Stall, Stadel und Hütte organisch verbunden[ sind]«. Ihre oftmals ge-priesene Größe und Vollkommenheit verdanken sie den in ihrem Ver-breitungsgebiet vorherrschenden ökonomischen Gunstlagen, die fürAckerbau und Viehzucht sowie die seit der Mitte des 18. Jahrhundertseinsetzende und geförderte Anpflanzung von Mostobstbäumen glei-chermaßen förderlich waren.

Sicherlich nicht unabhängig von den genannten Ausstellungen, vorallem der in Seitenstetten, erschien im März das hier anzuzeigendeBuch des Historikers und Germanisten Heimo Cerny( der sich als Au-tor und Vortragender seit geraumer Zeit intensiv mit dem Mostvier-tel und auch mit seinen Vierkantern, den» Burgen des Mostadels«<,beschäftigt).Vorangestellt sind die bei geförderten Publikationen of-fenbar unerlässlichen Vorworte( von Landeshauptmann E. Pröll, denbeiden Geschaftsführern der herausgebenden Volkskultur Niederös-terreich und einer Landtagsabgeordneten aus dem Bezirk Amstetten),die dazu einladen,» Wissenswertes rund um den Vierkanter zu erfah-ren«,» in ihre faszinierende Welt[...] einzutauchen«.

Dieser Einladung kommt man als Rezensent aus fachlichen Grün-den nach, was man aber schon beim Durchblättern, mehr noch nachder Lektüre, nicht zu bereuen hat. Beim Durchblättern überzeugen:die tatsächlich faszinierenden( teilweise historischen) Photos von Vier-kantern und ihren Details, von Innenräumen und( Most-) Kellern, vonLandschaften, Kapellen und Bewohnern, von Arbeit und Freizeit; dieFülle von Bauplänen und-aufnahmen( u. a. von Adalbert Klaar); infor-

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