434 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 3+ 4
Bianca Wildfeuer: Romantisches. Zur Bedeutung einerGefühlswertigkeit am Beispiel heutiger Wohnkultur
(= Regensburger Schriften zur Volkskunde/ VergleichendenKulturwissenschaft, Bd. 23). Münster u.a.: Waxmann 2012, 245 Seiten.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die jüngst erschiene-ne Dissertationsschrift von Bianca Wildfeuer, mit der diese bereitsim Jahr 2008 an der Universität Regensburg promoviert wurde. DieStudie verknüpft einen klassischen Bereich volkskundlicher Arbeit, dieWohnforschung, mit einem aktuellen Feld kulturwissenschaftlichenForschens, der Gefühlskulturforschung. Und sie leistet das alles an-hand eines ebenso schillernden wie diffusen Begriffs, dem des» Ro-mantischen<< nämlich, der stark kulturhistorisch und auch ideologischbefrachtet ist. Kein einfaches Unterfangen also. Die Autorin löst dieseAufgabe jedoch, dies bereits vorab, auf insgesamt sehr überzeugende
Weise.
Ausgangspunkt des Unterfangens ist die Beobachtung, dass die At-tribuierung von Wohnausstattungen als» romantisch« seit den 1990erJahren, und noch einmal deutlich verstärkt in der jüngeren Vergangen-heit, eine bemerkenswerte Konjunktur erfahren hat. Die vorliegendeStudie fragt nach Formen und Gründen für diese Entwicklung undversucht schließlich, die gemachten Beobachtungen in Funktionsbe-stimmungen der Mobilisierung des Romantischen als populäres Dis-kurselement münden zu lassen. Kurzum: Warum ist Romantischesso populär und welche Konstellationen und Werthaltungen verbergensich möglicherweise dahinter?
Die Arbeit gliedert sich in vier sehr unterschiedlich umfangrei-che Teile. Der erste Teil leistet pflichtgemäß die nötigen epistemo-logischen, theoretischen, methodischen und begrifflichen Klärungenund führt schließlich zu der überzeugenden Auffassung, dass demRomantischen nicht konzeptionell- theoretisch, sondern nur induktiv-empirisch beizukommen ist. Einer raschen Rekapitulation der Geneseund Bedeutung des Begriffs Romantik folgt konsequenterweise eineAbkehr von demselben und stattdessen die Fassung als Romantisches( in Abgrenzung zum Epochenbegriff Romantik)- damit markiert dieAutorin deutlich, dass es in ihrer Studie eben nicht etwa um die Gegen-wart eines historischen Konzeptes gehen kann, sondern um die gegen-wärtige Attribuierung von Wünschen, lebensweltlichen Arrangements