Jahrgang 
115 (2012) / N.S. 66
Seite
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Literatur der Volkskunde

Brigitte Schmidt- Lauber, Gudrun Schwibbe( Hg.):Alterität. Erzählen vom Anderssein.

Göttingen: Schmerse Media 2010, 186 Seiten.

Ausgehend von der im November 2009 an der Georg- August-Universität Göttingen stattgefundenen Tagung» Narrative Identitäts-konstruktionen«< setzen sich die neun ausgewählten Beiträge diesesSammelbandes mit Fragen von Identitäts- und Alteritätskonstruktio-nen auseinander. Ansätze aus den Kultur- und Sozialwissenschaften,der Anglistik, der Literaturwissenschaft und interdisziplinären Ein-richtungen kommen zu Wort und ergänzen durch ihre Ergebnisse dasFeld der Erzählforschung. Wie Brigitta Schmidt- Lauber in der Ein-führung darlegt, soll nicht nur der Zusammenhang von Erzählung undIdentitätskonstruktion hergestellt werden. Vielmehr geht es darum,die Perspektiven der Erzählforschung um den Begriff der Alterität zuerweitern. Alterität wird zunächst weniger als das kulturell Fremde,sondern als eine alltägliche gesellschaftliche Erfahrung des Andersseinsverstanden. Identität und Alterität stellen zudem nicht zwei sich ge-genüberstehende Begriffe dar, vielmehr soll die Konstruktion» der An-deren«< ein Bild multipler Ausführungen sichtbar machen.

Die ersten beiden Aufsätze von Gudrun Schwibbe und Meike Bäh-rens sind im Zuge eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft( DGF) geförderten Projekts zum Thema» Narrative Identitätskon-struktionen. Alteritätskonstituierungen in Selbstdarstellungen vonehemaligen Mitgliedern linksterroristischer Gruppierungen« von Juli2008 bis Juni 2011 entstanden. Gudrun Schwibbe erstellt in ihrem Bei-trag über die Mehrdimensionalität narrativer Alteritätskonstruktionenein>> zehn Dimensionen umfassendes Kategoriensystem«( S. 15), umden Begriff der Alterität auf verschiedenen Ebenen fassen zu können.Sie unterscheidet zwischen relationalen, inhaltlichen und vermitteln-den Aspekten und stellt diese exemplarisch an der Selbstdarstellungehemaliger Mitglieder der RAF dar. Ihre Daten bezieht sie aus einemdreiteiligen autobiographischen Beitrag Volker Speitls im Magazin>> Spiegel«<. Insbesondere richtet sie ihren Blick auf das» dialektischeVerhältnis«<( S. 13) von Identitäts- und Alteritätskonstitutionen. Alte-rität versteht sie nicht als eine starre Konstruktion von» Anders- Sein<<.Vielmehr liegt ihr Fokus auf dem Prozess des» Anders Werdens«< inbiographischen Selbstdarstellungen. Nach Schwibbe ist die Konstruk-

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