Aufsatz in einer Zeitschrift 
Clevere Kultur : die Schnullerfee als elterliches Risikomanagement
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Clevere Kultur

Die Schnullerfee alselterliches Risikomanagement¹

Timo Heimerdinger

Ausgehend von einem Alltagskulturverständnis, das nachdem lebensweltlichen Nutzen von Kulturphänomenenfragt und diesen auch jenseits symbolischer Selbstausstat-tungseffekte vermutet, wird zunächst eine begrifflich- heu-ristische Trias für die Kulturanalyse entworfen: Histori-zität, Medialität und Performanz. Dieser Entwurf findetseine exemplarische Anwendung bei einem Phänomengegenwärtiger Elternschaftskultur, der Figur der Schnul-lerfee. Diese narrativ hergestellte Gehilfin bei der Schnul-lerentwöhnung von Kleinkindern kann nicht nur als Neu-zugang im Figurenensemble der» niederen Mythologie<<gelten, sondern hilft auch subtil durch den Parcours aktu-eller medizinischer und pädagogischer Imperative: Durchihren Einsatz soll es gelingen, die Kinder ebenso schonendwie kooperativ und irreversibel zu entwöhnen. Den Elterndient sie damit als kulturelles Handlungsangebot für dieMinimierung allgegenwärtig vermuteter Risiken im Ent-wöhnprozess.

Die Relevanz kulturwissenschaftlicher Forschung erweist sich nicht zu-letzt an der Relevanz ihres Gegenstandes. Ist jener die Alltagskultur, soist seine Ubiquität ebenso offensichtlich wie seine scheinbare Selbstver-ständlichkeit. Dass sich unser Fach² dieser vermeintlichen wie tatsäch-

1 Dieser Text speist sich aus Vorträgen, die ich im WS 2008/09 vor Berufungskom-missionen der Universitäten Innsbruck, Bonn und Hamburg gehalten habe. Trotzseiner Neufassung für die Drucklegung wurden Elemente des Vortragsstils beibehal-ten. Für gründliche Diskussionen in unterschiedlichen Stadien der Entstehung dankeich herzlich Silke Meyer.

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Ich studierte und arbeite( te) an Institutionen, an denen unser Fach unter der Bezeich-nung>> Volkskunde«,» Europäische Ethnologie/ Volkskunde«,» Kulturanthropologie/