Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

Chronik der Volkskunde

Framing, Compiling, Sampling- Sensory Practicesin Cultural Analysis. Basel, 23. bis 25. April 2015

Vor 15 Jahren wäre ein solches Thema im Rahmen einer kulturwissen-schaftlichen Tagung noch völliges Neuland gewesen, stellte Prof. Dr.Walter Leimgruber des Seminars für Kulturwissenschaft und europäi-sche Ethnologie beim Willkommensgruss freudig fest. Die Tagung derSchweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, der Schweizerischen Eth-nologischen Gesellschaft und des Seminars für Kulturwissenschaft undEuropäische Ethnologie Basel machte deutlich, wie in kurzer Zeit einenormes Forschungs- und Diskussionspotenzial um anthropologischeZugangsweisen zu Material, Materialität und die Ästhetik von Objek-ten freigelegt werden konnte. Dabei ging die Tagung Fragen nach wieMaterial, auch Forschungsmaterial, hergestellt wird und welche episte-mische und repräsentative Funktion diesem zugeschrieben wird. Wiedie vordergründig mit Fertigungs- und Kreativitätstechniken der Medi-enpraxis verknüpfbaren Begriffe» Framing, Compiling und Sampling«<auch als Denkräume und Schlüssel zu wissenschaftlicher Methodikgenutzt werden können als Praxis der Herstellung und Interpretationvon wissenschaftlichen Daten und Objekten, darum kreisten nicht nurdie Vorträge und Roundtable- Diskussionen. In den Nebenräumen derehemaligen Fabrikantenvilla des» Wildt'schen Haus« wurden Objekt-,Film- und Klanginstallationen gezeigt, die die Vorträge bildlich oderaudiovisuell umrahmten und Gelegenheit boten, vor dem Material selbstins Gespräch zu kommen.

-

Den Auftakt zum Konferenzblock» Framing« machte James Harvey-Davitt( Cambridge), der sich mit dem Ausstellen von bewegtem Bild inGalerieräumen als politische Subversion befasste. Dabei zeigte er Aus-schnitte aus dem Essay- Film» The Nine Muses«<( 2010) des britischenFilm- und Videokünstlers John Akomfrah, in welchem assoziativ farbigeBildsequenzen mit historischen Schwarz- Weiß- Aufnahmen von Mig-rantInnen in Grossbritannien abwechseln. Die fragmentarische Identitätder von hinten gezeigten Personen widerhallt in der in Einzelfragmentengezeigten Bildern und gehörten Tönen im Galerieraum, der Personeneine Stimme gibt, die sonst nicht gehört werden.

Der öffentliche Vortrag der Dozentin und Filmemacherin NicoleWolf( London) beschäftigte sich ebenfalls mit einer politischen

85