92 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2
Internationale Tagung>> Grenzräume- Raumgrenzen: LändlicheLebenswelten aus kulturwissenschaftlicher Sicht<< desForschungsschwerpunkts>> Kulturelle Begegnungen- KulturelleKonflikte<<, 16. bis 18. April 2015, Universität Innsbruck
Zu einer internationalen und interdisziplinären Tagung lud der For-schungsschwerpunkt» Kulturelle Begegnungen Kulturelle Konflikte<<der Leopold- Franzens- Universität Innsbruck unter der Organisationvon Niels Grüne, Claus Oberhauser und Andreas Oberhofer vom 16.bis zum 18. April 2015 nach Innsbruck. Aus unterschiedlichen Blick-punkten wurde in drei Tagen zu Grenzen in ländlichen Lebensweltendiskutiert. Die Vorträge der jeweiligen Disziplinen mit ihren spezifi-schen Zugängen und Schwerpunktsetzungen waren in insgesamt sie-ben Sektionen gegliedert, wobei am Ende des zweiten Tages noch eineliterarische Soiree zum Thema stattfand. Eine Besonderheit der Tagungbestand darin, dass bereits in der inhaltlichen Planung ein disziplinärdezentrales Konzept verfolgt wurde: Die Gestaltung der einzelnen Sek-tionen samt Auswahl der Referierenden lag in der Verantwortung derjeweiligen Vertreter_innen der beteiligten Disziplinen und bildete somitden Verbundanspruch des Innsbrucker Forschungsschwerpunkts ab. DerForschungsschwerpunkt, ein Zusammenschluss diverser geistes- undsozialwissenschaftlicher Disziplinen, hat es sich zur Aufgabe gemacht,die verschiedenen Aspekte der Dynamik von» Kultur« als sinnstiftenderEinheit zu analysieren. Dabei wird die Kreativität bei der Bildung vonNeuem ebenso betrachtet wie diesbezügliche Konflikte.
Eingeleitet wurde die Tagung von Susanne Rau( Erfurt), die sich inihrem Eröffnungsvortrag mit der Bebauung, Besiedlung und Begrenzungvon Raum aus kulturwissenschaftlicher Perspektive befasste. Am Fall-beispiel ihrer Forschung zur französischen Region Lyonnais im Spätmit-telalter legte die Stadthistorikerin dar, dass Grenzen und Rechtsräumestets konstruiert und somit imaginär waren. Wenn auch gewisse Grenz-punkte in der Landschaft markiert wurden, so waren die verbindendenLinien dennoch gedacht. Grenzen entstünden folglich im Kopf und wür-den als solche erst durch performative Akte wie der Grenzbeschreitungkonstruiert.
Im nachfolgenden, historischen Panel wurden unter der Moderationvon Margareth Lanzinger( Innsbruck) die Ausführungen Raus vertieft,