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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2
Strategien der Subsistenz: Neue prekäre, subversive undmoralische Ökonomien, Berlin, 23. und 24. Jänner 2015
Die Berliner Tagung» Strategien der Subsistenz«< vom 23. und 24. Jänner2015 wurde von der Gesellschaft für Ethnographie veranstaltet, in Koope-ration mit dem Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt- Uni-versität zu Berlin und dem Institut für Ethnologie der Freien UniversitätBerlin. Über zwei Tage hinweg wurde in den zwölf Beiträgen zu histori-schen und aktuellen Alltagspraktiken der Subsistenz im europäischen undaußer- europäischen Raum die Bandbreite des Themas deutlich gemacht.
Die Tagung fokussierte den gegenwertigen Trend der>> Rückkehrzur Subsistenz«<, aus globaler Perspektive, im Blick der Ethno-, Kultur-und Sozialwissenschaften. Der Begriff der Subsistenz war breit gefasstals Praktiken und Institutionen, die auf Selbstversorgung und selbster-haltenden Lebensunterhalt abzielen, und darüber hinaus individuelleund kollektive Unterfangen, die jenseits von Marktwirtschaft materi-elle, soziale und geistige Bedürfnisse befriedigen. Die Schwerpunkte derBeiträge lagen dabei auf den Räumen, Subjekten, Objekten und Medienvon Subsistenzpraktiken. Als Lebensstil, Hobby und Identität, als Über-lebensstrategie oder als politischer Aktivismus bewegte sich das ThemaSubsistenz immer wieder im Spannungsverhältnis zwischen Haushalt,Gemeinschaft, Markt und den Commons.
Eine Reihe an Beiträgen näherte sich dem Thema der Subsistenz alsPraktiken der Subsistenzwirtschaft und Produktion. In den Vorträgenzu historischen Alltagswelten subsistenzorientierter europäischer Agrar-gesellschaften( Michaela Fenske und Anna Carolina Vogel, Göttingen/Daniel Schläppi, Bern) wurde auf die Komplexität und Diversität sozio-ökonomischer Alltagspraktiken hingewiesen. Diese existierten zwischensozialer Normierung und Distinktion, Kontrolle und Zwang. Gleichzei-tig bedeutete die Einbindung von Subsistenzökonomien in familiäre undsoziale Netzwerke Risikominimierung, aber auch Konflikt. Subsistenzals das Auskommen von Haushalten als Betriebsgemeinschaften von ver-wandten und nicht- verwandten Personen( Daniel Schläppi) wurde dabeiromantischen Vorstellungen von Autarkie entrückt und in einen Kontextkomplexer Verhältnisse von Markt, Haushalt und Allmende gestellt.
Weitere Tagungsbeiträge führten diesen Ansatz in die Gegenwart,durch die Betrachtung von Praktiken der Subsistenzlandwirtschaft als