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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIX/ 118, 2015, Heft 1+ 2
aus der unrühmlichen Vorläuferinstitution des heutigen Instituts fürEuropäische Ethnologie, dem von 1942 bis 1945 an der Universität Wieneingerichteten>> Institut für Germanisch- deutsche Volkskunde«, in dassie nach der Enteignung der Anthropos- Bibliothek des MissionshausesSt. Gabriel( Maria Enzersdorf) durch die Nationalsozialisten gekom-men waren. Über den näheren Ablauf dieser Enteignung, die langwierigeRecherchetätigkeit der Provenienzforschung, wie sie schließlich zur Res-titution solchen NS- Raubguts führt, berichtet der Leiter der Provenienz-forschung an der Universitätsbibliothek Wien, Mag. Markus StumpfMsc., in der Festschrift des Instituts ausführlich. Die Dankesrede PaterProf. Piepkes mit der Schilderung der durch die seinerzeitigen politi-schen Umstände erzwungenen Verlegung des Anthropos- Instituts undseiner Neuetablierung wird mit der Publikation in der ÖZV dokumen-tiert und ergänzt damit auch den Bericht der Provenienzforschung.Herbert Nikitsch
Das Anthropos- Institut in St. Gabriel( Maria Enzersdorf)und die NS- Ideologie. Kurzreferat beim Festakt des Institutsfür Europäische Ethnologie am 29. Januar 2015
Der St. Gabrieler P. Wilhelm Koppers SVD, ein Schüler P. WilhelmSchmidts SVD, studierte an der Universität Wien Ethnologie, Indologie,Indogermanistik, Allgemeine Sprachwissenschaft, Keilschrift und Ela-misch. 1917 promovierte er mit der Dissertation»> Die ethnologischeWirtschaftsforschung. Eine historisch- kritische Studie«<, ² habilitierte sich1924 an der Universität Wien und erhielt 1928 daselbst den neu errich-teten Lehrstuhl für Völkerkunde. 1929 wurde er der erste Vorstanddes neu gegründeten Instituts für Völkerkunde. 1937, im Jahr vor dem>> Anschluss<< Österreichs an das Deutsche Reich, hielt Koppers einen
2 Erschienen in Anthropos 10/ 11.1915/ 16, S. 611-651 und S. 971-1079.