Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
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Chronik der Volkskunde

Wolfgang Pfaundler 1924-2015

Es gibt leider keine vollständige Bibliographie des verstorbenen Schrift-stellers, Fotografen, Kulturredakteurs und Tiroler Patrioten, Dr. phil. u.Professor Wolfgang( von) Pfaundler, der zu den österreichischen Volks-kundlern gezählt werden muß. Die mir bekannt gewordenen wichtigstenPublikationen sind eine Reihe kulturwissenschaftlicher Monographienund dann die lange Liste der Tirolensien mit Themen aus Vergangen-heit und Gegenwart. Volkskundlich in besonderem Maße relevant sind:Sankt Romedius 1961; Sankt Notburga 1962; Das große Tiroler Schüt-zenbuch 1976; Das große Tiroler Blasmusikbuch 1979; Fasnacht in Tirol,das Telfer Schleicherlaufen 1981; Alpach das schönste Dorf Österreichs,Kultur und Geschichte einer Berggemeinde 1994; Nassereither Schel-lerlaufen 1998.- Eine Auswahl der landesgeschichtlichen Studien undDokumentationen: Südtirol. Versprechen und Wirklichkeit 1958; Tirol1809, 1959; Innsbruck. Bildnis einer Stadt 1975; Tagebuch der Baroninvon Sternbach 1977; Tiroler Jungbürgerbuch 1980 u. 82; Tiroler Frei-heitskampf 1809 unter Andreas Hofer 1984; Gotik in Tirol. Die Flügel-altäre 1985; Telfs 1988; Das andere Südtirol. Rückkehr nach 37 Jahren2002.- Herausgeber und Redakteur des Innsbrucker Kulturmagazins>> Das Fenster<< 1966 ff, wozu es ein langes aufschlußreiches Interview inder Innsbrucker Universitätsbibliothek gibt über den» kulturöffentlichs-ten Menschen<<.

Wissenschaftler, zumal Professoren, gelten gerne als Originale,sprich: Sie werden für ein bißchen verrückt( mad docs) gehalten, mithinfür weltfremd und belächelnswert. Wolfgang Pfaundler war kein solcher,aber ein durchaus origineller Kopf und sein Zugang zur Wissenschaftzunächst eher zufällig, gerade weil er aus akademischem Milieu stammte.Sein Vater, der seinerzeit berühmte Kinderarzt Meinhard von Pfaund-ler( 1872-1947) lehrte vor dem Ersten Weltkrieg in München und dannin Innsbruck. Nach ihm ist der Kretinismus der Pfaundler- HurlerschenKrankheit benannt. Sein Adelstitel stammt nicht aus Bayern(» Rittervon<< für ordentliche öffentliche Professoren an der bayerischen Haup-tuniversität), sondern aus dem Tiroler Verdienstadel. Die Todesanzeigemonumentiert daher:» Wolfgang Pfaundler von Hadermur«( 1.1.1924 inWien bis 20.4.2015 in Oetz).

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