Jahrgang 
118 (2015) / N.S. 69
Seite
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Literatur der Volkskunde

Gunther Hirschfelder, Angelika Ploeger, Jana Rückert- John,

Gesa Schönberger( Hg.): Was der Mensch essen darf.

Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte.Wiesbaden: Springer VS 2015, 405 Seiten, Abb.

In der Frage, was der Mensch essen darf, verschränken sich kulinari-sche Bedürfnisse, ökonomische Zwangslagen, ethische Bedenken undsoziokulturelle Empfindlichkeiten. Umso schwieriger ist auf sie eine ein-deutige Antwort zu finden, die den unterschiedlichen Interessen, Moti-ven, Notwendigkeiten und Gemütslagen der jeweiligen Akteure gerechtwird. Der von Gunther Hirschfelder, Angelika Ploeger, Jana Rückert-John und Gesa Schönberger herausgegebene Sammelband nimmt sichder Herausforderung dieser Frage an, deren Beantwortung auf die Über-brückung der Diskrepanz zwischen ernährungsethischen Konzeptuali-sierungen und alltäglicher Lebensführung zielt, ohne in» imperativ for-mulierte Anweisungen«( S. VI) oder moralisierende Anprangerungen zuverfallen.

Die Anthologie, die aus dem 7. Symposium des InternationalenArbeitskreises für Kulturforschung des Essens in Kooperation mit derUniversität Regensburg( 8.- 9. Oktober 2012, Regensburg) hervorgegan-gen ist, vereint Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen, unter anderemaus dem Bereich der Kulturanthropologie, Soziologie, Philosophie, denLiteratur- und Medienwissenschaften, der Pädagogik, Volkswirtschafts-lehre, Gesundheits- und Ernährungspsychologie, Agrarökologie, Ethik,Sprachwissenschaft und Agrarwirtschaft. Zu Wort kommen auch Journa-listInnen und NGO- VertreterInnen. Dieses breite disziplinäre Spektrumvereint die von den AutorInnen vertretene These einer globalen( wirt-schaftlichen, gesellschaftlichen, politischen) Verflechtung der Fleischpro-duktion und des Fleischverbrauchs, was eine ernährungsethisch grun-dierte Reflexion von Versorgungsstrukturen sowie individuellen undkollektiven Konsumpraktiken und-strategien erfordere.

Das Buch ist in fünf Sektionen gegliedert, um die» Vielzahl an Per-spektiven thematisch zu bündeln«( S. 391). Einleitend stellen vier Bei-träge die ernährungstheoretische Konzeptualisierung des Sammelbandesheraus(» Zur Theorie einer ethischen Ernährung«), wobei multidimen-sionale Perspektivierungen als programmatisches Muss ernährungsethi-scher Fragestellungen betont werden. Zentral in diesem Zusammenhang

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