Literatur der Volkskunde
um eine Verbesserung der aktuellen Verhältnisse bemühen. Die geringeDistanz zum Forschungsthema führt leider dazu, dass bestimmte Sach-verhalte vorausgesetzt beziehungsweise nicht weiter hinterfragt werden.So fehlt etwa eine Kontextualisierung und intensivere Auseinanderset-zung mit dem von den Interviewpartner/ innen angestrebten Ideal oderZiel ihrer Lebensweise, das Weißengruber, den Interviewausschnittenvorangestellt, in einem Streben nach» Ganzheitlichkeit« verortet. In die-sem Zusammenhang hätte etwa auch eine konkrete Analyse der in denInterviews immer wieder angesprochenen subjektivierten gegnerischenMacht, die die Menschen bewusst ausnütze und an der Nase herumführe,zu einer differenzierten Sichtweise führen können. Leider lag der Auto-rin diesbezüglich offensichtlich die Studie von Ove Sutter zur» erzähltenPrekarität<< noch nicht vor, in der der Autor aufzeigt, welche Bedeutungbiografisches Erzählen im Umgang mit prekären Verhältnissen einneh-men kann ein Ansatz, der die hier besprochene Diplomarbeit sicherlichbefruchtet hätte. Inwiefern Silvia Weißengrubers stark wertende undpersönliche Positionierung, die dazu führt, dass sich der Text in Teileneher als politisches Plädoyer denn als wissenschaftliche Studie liest, ihrerForschung insgesamt dienlich war, bleibt daher am Ende fraglich.
Evelyn Reso
Carmen Weith: Alb- Glück. Zur Kulturtechnik der Naturerfahrung(= Untersuchungen des Ludwig- Uhland- Instituts der
Universität Tübingen 116). Tübingen: Tübinger Vereinigungfür Volkskunde 2014, 264 Seiten, Abb.
> Auf die Alb hinaufzukommen< schien wohl der Leitgedanke und dieIntention von Carmen Weith gewesen zu sein, als sie mit dem Verfas-sen ihrer Dissertation begonnen hat- und herausgekommen ist eine m.E. gelungene Analyse der emotionalen Topographie der SchwäbischenAlb.> Naheliegend ist Buch und Thema aus zweierlei Hinsicht: aus geo-graphischen Gründen, wurde es doch von der Tübinger Vereinigungfür Volkskunde- quasi vor den Toren der Alb- verlegt, sowie aus per-sönlichen Gründen, stammt Weith doch aus der Tübinger Schule und
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