Chronik der Volkskunde
Interdisziplinäre Tagung» Der Alltag der( Un) sicherheit.Ethnographisch- kulturwissenschaftliche Perspektiven auf dieSicherheitsgesellschaft« der Universitätsinstitute Graz und Wien,6. und 7. November 2015, Universität Graz
Katharina Eisch- Angus( Institut für Volkskunde und Kulturanthro-pologie, Universität Graz) und Alexandra Schwell( Institut für Euro-päische Ethnologie, Universität Wien) luden am 6. und 7. November2015 zur interdisziplinären Tagung» Der Alltag der( Un) sicherheit.Ethnographisch- kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Sicher-heitsgesellschaft«< nach Graz. Diese Tagung bedeutete ein erstes und anVortragsthemen breit umrahmtes Zusammenführen des gemeinsamenForschungsschwerpunktes – der kulturwissenschaftlichen Erforschungvon Sicherheit/ Unsicherheit- der beiden Veranstalterinnen.
Mark Maguire( Anthropologe, Maynooth) sprach in der Eröffnungs-keynote über» Biometrische Systeme zweiter Generation«<, wie BASSoder FAST, die nicht mehr nur Fingerabdrücke oder Gesichter erfas-sen und erkennen können, sondern auch Emotionen, die im weitestenSinne als Lügendetektoren funktionieren sowie über die Messung undIdentifikation körperlicher Zustände, die so das Ziel verfolgen,» malin-tent«<( von malicious intention) ausfindig zu machen. Ihr Zweck ist also:>> detecting evil«<. Maguire konzentrierte sich in seinem Vortrag auf denEinsatz dieser Technologien auf Flughäfen und beforschte 2011/2012anthropologisch- ethnografisch die Ausbildung von so genannten securityoperators zur Bedienung solcher Systeme. Sicherheit erscheint ihm als einproduzierendes Moment, denn Counter- terrorism- Screenings und ihreAnwender_innen schaffen und fixieren auf ihrer Suche nach>> malintent<<Werte wie»> good« und» evil«.
Das erste Panel sammelte in einem breiten Sinn Beiträge zu>> Kon-trollregimen«< und spannte dabei einen Bogen zurück ins 19. Jahrhun-dert. Stefan Groth( Kulturanthropologe/ Europäischer Ethnologe, Bonn)sprach über verstärktes Auftreten bzw. Transformationen von Sicher-heits- und Kontrollregimen durch zunehmend industrielle Produktions-bedingungen am Beispiel der Krupp'schen Stahlfabriken und Arbeiter_innensiedlungen. Niklas Barths( Soziologe, Hamburg) Beitrag handeltevon den diagnostischen Möglichkeiten des» Hausarztes«<, der als erstesund meist technisch wenig ausgerüstetes Glied in der Befundungskette
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