Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wasserkrug und Kamm : Verena von Zurzach als Kasus für die Grenzen und Möglichkeiten der ikonologischen Methode
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LX/ 109, Wien 2006, 35–62

Wasserkrug und Kamm

Verena von Zurzach als Kasus für die Grenzen und Möglichkeitender ikonologischen Methode*

Barbara Baert

Im Zentrum des Beitrags steht die Figur der Verena vonZurzach und die Entschlüsselung ihrer Attribute im Lichte derGrenzen und Möglichkeiten der ikonologischen Methode.Neuere Entwicklungen beziehen sich vor allem auf Gender-Studien, kulturelle Anthropologie und mittelalterliche Bild-theorie. Die Autorin sucht einen ersten Zugang zur Diskurs-analyse der Verena- Viten, die verschiedene Aspekte der Figurbündeln, die sich während des langen Überlieferungspro-zesses angesammelt haben: die Pseudo- Märtyrerin, die Re-klusin, die Verrichterin barmherziger Werke. Unter anderemwerden mit Hilfe von genderhistorischen Studien aus derLiteraturwissenschaft Motive beleuchtet, die Aspekte desVerenakults definieren helfen.

Heilige kann man in der bildenden Kunst an ihren Attributen erken-nen, an einem bestimmten Gegenstand, Tier oder einem bestimmtenKörperteil. Sowohl der mittelalterliche Mensch als auch der heutigeIkonograph kann die heilige Person anhand dieses spezifischen Attri-buts identifizieren. Einer heiligen Person wird dieses Attribut aufBasis ihres Namens, Kultus oder ihres Heiligenlebens zugeschrieben.Agnes wurde über ihren Namen mit agnus, dem Lamm, in Verbindunggebracht. Gertrudis von Nivelles wird als Mäusebekämpferin verehrtund erscheint auf Darstellungen und in Beschreibungen mit einerMausefalle oder mit Mäusen. Und die Brüste der heiligen Agathawurden nach ihrem Martyrologium abgeschnitten. Im Falle derVerena von Zurzach, die einen Krug und einen Kamm trägt, verliefdie Zuordnung der für sie typischen Attribute weniger direkt.

* Meinem Mann, geboren am Tage der Verena( 1. September).