Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXI/ 110, Wien 2007, 1-28
Das Wertesystem des Mittelstandes und diepostkommunistische Umwandlung der Slowakei¹
Monika Vrzgulová und Katarína Popelková
Der Aufsatz analysiert anhand empirischer Forschung dieLage des Mittelstandes in der Slowakei nach 1989 und fasstdie bisherigen Erkenntnisse deren gesellschaftlicher Peripeti-en in der Slowakei im 20. Jahrhundert zusammen. Die Ver-fasserinnen wollen über einen Vergleich von Gruppenmerk-malen und gemeinsamen Werten bei Angehörigen zweierBerufsgruppen( Gewerbetreibende und städtische Weinbau-ern) in zwei unterschiedlichen slowakischen Städten( Trenčínund Modra) die wesentlichen Züge der postkommunistischengesellschaftlichen Transformation aufdecken und darstellen.
Einleitung
Nach 1989 wurden durch die Umwandlung des politischen und recht-lichen Systems in der Slowakei allmählich die entsprechenden Vor-aussetzungen für einen Wandel der im Sozialismus bestehenden So-zialstruktur geschaffen. Auch Teile des einstigen Mittelstandes- aufselbstständiges Unternehmen orientierte Berufsgruppen wurdenwiederhergestellt. Auf diese Situation und die Herausforderung zumStudium urbaner Strukturen reagierte die slowakische Ethnologiedurch Verlagerung ihres Erkenntnisschwerpunktes auf die Erfor-schung der Entwicklung städtischer Sozialgruppen. Als methodolo-gischer Ansatz wurde die historische Methode gewählt- das Studiumwar auf die Rekonstruktion der Sozialstruktur vor Beginn der kom-munistischen Diktatur nach 1948 ausgerichtet. In der Geschichte desLandes handelt es sich um den Zeitraum zwischen der Jahrhundert-
1 Der Beitrag entstand im Rahmen des Forschungsprojektes des Instituts fürEthnologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Bratislava Lokaleund regionale Entwicklung im Kontext der europäischen Integration, unterstütztvon Fördermitteln der Agentur VEGA( Nr. 2/5104/25).