2007, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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in diesem Sinne offen und unabgeschlossen“; die Studie sei auf„ kritischeZweitleser" angewiesen, die sich von ihr ,, anregen und zur Fortführung derUntersuchung motivieren lassen“( S. 37). Diesen Anspruch, in erster LinieSteinbruch und Fundgrube für weitere Forschungen zu sein, erfüllt der Bandin hervorragender Weise: Unter der gewissen Staubschicht, die Konzeptionund theoretisches Instrumentarium der Studie seit 1989 angesetzt haben,gibt es hier wunderbares Material wiederzuentdecken. Es ist daher sehr zubegrüßen, dass die Autorin die ,, urbanen Spiel- und Straßenwelten" hier einweiteres Mal aufbereitet hat und lebendig werden lässt. Für die historischeForschung zu städtischer Kindheit, Straßensozialisation und Spielkultur einwichtiges und anregendes Buch.
Jens Wietschorke
JACKSON, Phil: Inside Clubbing. Sensual Experiments in the Art ofBeing Human. Oxford u.a., Berg Publications. 2004, 189 Seiten.
In seinem ersten Buch Inside Clubbing. Sensual Experiments in the Art ofBeing Human liefert Phil Jackson eine Ethnographie gegenwärtiger Londo-ner Clubkultur. Seine grundlegende Idee ist, dass Clubleben eine alternativeForm sozialer Gemeinschaft ermöglicht, die in Opposition zum städtischenLeben stehe. Im Alltagsleben reguliert und eingeschränkt( anxiety of cityliving), können sich die Körper in den hedonistischen Clubs durch diverseäußere Einflüsse zu einem Nietzsche'schen dionysischen Körper erweitern.,, This book is about dancing, smiling, drugging, flirting, fucking, friend-ship and having a ball.“( S. 1) Jacksons Zugang und Sprache zeigen schnell,woraus der Autor auch keinen Hehl macht: dass er selbst seit den frühen80- ern passionierter Clubgänger ist. Diese Tatsache ermöglicht dem Autoreinen breiten Zugang zum Feld. Von der Vielfalt an Interviews mit passio-nierten Clubbesuchern im Alter von 25 bis 55 Jahren und teilnehmenderBeobachtung in unterschiedlichen Clubs, von Musik- bis hin zu Fetisch- undSexclubs, profitiert diese Arbeit. Was Jackson den Lesern in seinem Zugangleider schuldig bleibt, ist eine offen gelegte Reflexion über seinen Umgangmit diesen Quellen. So bleibt unklar, wie sich seine Beziehungen zu denInterviewpartnern auf seine Analyse auswirken oder wie er etwa sein einlei-tendes Kapitel Snapshot: Saturday Night Out on the Town unter dem Einflussvon LSD aufzeichnete.
Im ersten Teil der Studie beschreibt Phil Jackson elementare Aspekte desClublebens: Tanzen, Musik, Sex, Styling, Drogen und den„, Vibe". DerenBedeutung für und ihr Einfluss auf das Erleben eines Clubbesuchs erörtert