Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

neuen Grund in der Kulturbeschreibung und Interpretation. Sein Zugangdürfte nicht nur eine Bereicherung für das Verständnis von Freizeitpraktikenund der Erlebnissuche im städtischen Raum sein. Das Versprechen vonInside Clubbing also hält Jackson auf anregende und überzeugende Weise.Meike Rottermann

SCHMIDT- LINSENHOFF, Viktoria, Karl HÖLZ und Herbert UER-LINGS( Hg.): Weiße Blicke. Geschlechtermythen des Kolonialismus. Mar-burg, Jonas Verlag, 2004, 216 Seiten, 50 s/ w- Abb.

Die Kunsthistorikerin Viktoria Schmidt- Linsenhoff und die Literaturwis-senschafter Karl Hölz und Herbert Uerlings veröffentlichen in diesemSammelband zwölf Untersuchungen zur Konstruktion von kolonialer undsexueller Alterität und deren Funktion in der Geschichte europäischerSubjektivität, die im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsschwer-punktes an der Universität Trier entstanden sind. Die Bild- und Textlektürenzu Geschlechtermythen des Kolonialismus in Kunst und Literatur vom 17.bis 20. Jahrhundert untersuchen die Funktion des Bildes der Anderen für dieeuropäische Subjektbildung. Intention der Publikation ist erstens ein Beitragzur Kritik an einem Identitätsmodell der Moderne, das sich durch dieAbhängigkeit von seinem konstitutiven Außen auszeichnet. Zweitens wer-den künstlerische und literarische Verfahren fokussiert, welche kolonialeSubjektivität und Alterität bilden.

Im einführenden Beitrag setzt sich Viktoria Schmidt- Linsenhoff mit derOperationalisierung des Terminus ,, Weiß in dessen begriffsgeschichtlicherEntwicklung auseinander. ,, Weiß unterstelle einen heterogenen Blick eu-ropäischer KünstlerInnen und AutorInnen auf eine putative Homogenitätaußereuropäischer Kulturen. Die Dichotomie ,, Schwarz- Weiß stehe demzeitgenössischen differenztheoretischen Paradigma der Hybridität gegen-über. Die Wissenschaftsmetapher Whiteness- abgeleitet von der historisch-ästhetischen Semantisierung der Hautfarben fungiere als Synonym fürhochgradig komplizierte und komplexe Macht- und Gewaltverhältnissezwischen den während der europäischen Expansion seit dem 16. Jahrhun-dert entstandenen ,, weißen und, farbigen Gesellschaften. Die ab Mittedes 20. Jahrhunderts einsetzende politische Dekolonisierung bringe bis datobeständig neue Ausprägungen hervor.

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Die politische Positivierung von ,, Schwarz" um 1930 wird von FrantzFanon 1952 anschließend an Jacques Lacan- zur ,, Psychopathologie des