Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

FAULSTICH, Peter( Hg.): Öffentliche Wissenschaft. Neue Perspektivender Vermittlung in der wissenschaftlichen Weiterbildung(= Theorie Bilden4). Bielefeld, Transcript, 2006, 241 Seiten.

Auf den ersten Blick zeigt sich der Sammelband ,, Öffentliche Wissenschaftdeutlich pädagogisch ausgerichtet: Die 16 AutorInnen sind überwiegend imBereich Erwachsenenbildung tätig. Da jedoch das Verhältnis von Öffent-lichkeit und Wissenschaft wohl prinzipiell interessiert, stellt man fest, dasseinige der Beiträge auch in einem engen kulturwissenschaftlichen Sinnspannend sind; diese werden im Folgenden kurz vorgestellt.

In einem einleitenden Text schafft der Herausgeber Peter Faulstich einenRahmen für alle weiteren Beiträge. Er erläutert die zentralen Begriffe undKonzepte rund um Wissenschaft, Öffentlichkeit und deren wechselseitigeBezüge sowie um Wissenschaftsvermittlung. Mit seinem Sammelbandmöchte er auf den gesellschaftspolitischen Wert und die Bedeutung vonwissenschaftlicher Weiterbildung aufmerksam machen. Als Leitlinie gibt ervor, möglichst einen Bogen von Traditionen der Popularisierung zu rezentenBestrebungen und Erscheinungen zu spannen. Historisches propagiert erdabei als Inspiration für die Gegenwart; denn Wissenschaft gilt Faulstich,, als die der Moderne angemessene Form der Interpretation von Welt"( S. 13) und deshalb sei es wichtig, die ,, Einheitlichkeit von Wissenschaft-lichkeit und Verständlichkeit( S. 16) ansatzweise zurückholen. Diese histo-rische Einheitlichkeit wird postuliert, ohne nachzufragen, wer etwa im19. Jahrhundert tasächlich Zugang zu wissenschaftlichem Wissen hatte.Unhinterfragt bleibt auch, ob Öffentlichkeit überhaupt an Wissenschaftpartizipieren möchte.

Andreas Daum begreift Populärwissenschaft als ,, weitgespanntes media-les und kommunikatives Netzwerk( S. 39), voll gesellschaftlicher Dyna-mik. Er zeigt mit seinem Text über die ,, Popularisierung von Wissenschaftim 19. Jahrhundert, dass die Geschichte der Popularisierung wie die aktu-elle Diskussion darüber von Hoffnungen und von Skepsis begleitet ist. Aberauch Daum möchte dazu anregen, vergessene Ansätze der Wissensvermitt-lung neu zu entdecken und beschreibt die historisch vorhandene Vielfaltpopulärer Wissensräume, Medien und der Vermittlungsformen( bis hin zurfiktionalen Dramatisierung). Der Wissenschaftsforscher geht auch auf dieAkteure in diesem Feld( Männerdomäne) und auf deren Motive ein. DaLeben zeitgenössisch nicht nur in einer ,, Wissensgesellschaft sondern auchin einer visuellen Gesellschaft stattfindet, legt er nahe, die Dimension desBildes in der Wissenschaftsvermittlung zu berücksichtigen und empfiehltStichwort ,, Globalisierung- ein Augenmerk auf lokale Initiativen und

transnationale Transfers.