Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

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DOUTRIAUX, Claire: karambolage. Kleines Buch der deutsch- franzö-sischen Eigenarten. München, Knesebeck GmbH& Co, 2006, 190 Seiten,Abb.

Europäische Ethnologie versteht sich als komparative Wissenschaft. DieMethode des Vergleichs( etwa zwischen zwei Ländern) erfordert die Reduk-tion- immer auf die Gefahr hin, gängige Klischees zu reproduzieren. Nichtnur denjenigen, die sich in der Lehre mit vergleichenden Ansätzen beschäf-tigen, sei deshalb das vorliegenden Kompendium gleichsam als kleinesHandbuch des Komparativs empfohlen.

Eigentlich ist ,, karambolage der Titel einer Fernsehsendung, die wö-chentlich über den TV- Kanal ARTE ausgestrahlt wird. Es sind knapp gehal-tene, fein komponierte Einheiten von je zehn Minuten, jeweils unterteilt inzumeist fünf Kapitel, in denen Frankreich und Deutschland zueinander inVergleich gesetzt werden. Gegenstände( z.B. das Frühstücksbrettchen),Räume( das Büro eines Ministers), Rituale( die Weihnachts- bzs. Neu-jahrsansprache eines Politikers), Inventare( Toilettenschilder) ebenso wieWörter( Rendevous) und Lautmalereien( ouaf, ouaf- bellender Hund) sindThema kleiner Bildergeschichten und knapper Erläuterungen zu Unterschie-den oder Parallelen in den Alltagen Deutschlands und Frankreichs. Am Endejeder Sendung steht das Bilderrätsel mit einem Detail, das für das eine oderandere Land typisch ist und das der Zuseher finden muß( z.B. die spezifischfranzösische Variante öffentlicher Abfallkörbe, seit Bombendrohungen ausdurchsichtigen Plastiksäcken bestehend).

Im vorliegenden Band werden ausgewählte Beispiele dieser Sendereihevorgestellt. Bilder und begleitende Texte sind im Buch sorgfältig dokumen-tiert, darüber hinaus ist es den Herausgebern gelungen, auch den spieleri-schen Ton und die unkonventionelle Struktur des TV- Formats in das Print-medium zu übertragen und damit dessen besondere Qualität einer so lustvol-len wie freundlichen Aufmerksamkeit auch für die unscheinbarsten, immerkonkreten Phänomene der alltäglichen Lebensführung in Deutschland undin Frankreich zu erhalten.

Wie hier was beobachtet, bebildert und besprochen wird, dies ist fürZuseher wie Leser ungemein anregend. Denn der Stil, in dem Bilder undLesarten angeboten werden, eröffnet vielfältige Spiel- und Denkräume.karambolage führt beispielhaft vor, was genaues Beobachten bedeutet, wiePerspektivenwechsel und Vergleich systematisiert werden können und wieauch komplexe Phänomene und Situationen und deren Analyse in spannen-de, temporeiche Bild- Text- Montagen übersetzt werden können. ,, Jedes De-