Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXI/ 110, Wien 2007, 107-112
Begrüßung
Elisabeth Katschnig- Fasch
Das Jubiläumsjahr anlässlich des 150. Geburtstags von SigmundFreud war uns Anstoß, die einmal enge geistige Beziehung zwischenden empirischen Kulturwissenschaften und der Psychoanalyse, wiesie Freud verstanden hat, zum Thema zu machen und maßgeblicheForscher und Forscherinnen- aus den Fachdisziplinen Psychoanaly-se, Soziologie, Europäische Ethnologie/ Volkskunde, Ethnologie,Kulturanthropologie, Kulturgeschichte und Philosophie und Litera-turwissenschaft- nach Wien, in die Stadt der Psychoanalyse, einzu-laden. Die außergewöhnliche Zusammensetzung mit Referentinnenund Referenten aus unterschiedlichen Bereichen entspricht unseremAnliegen, den einmal regen transdisziplinären Dialog wieder aufzu-nehmen und einen Raum für eine neue Zusammenarbeit zu schaffen,die ihren Widerhall dann auch in den universitären Disziplinen findenwird.
Es kommt nicht von ungefähr, dass wir uns hundert Jahre nachden ersten Veröffentlichungen- der komplexen kulturtheoretischenEinsichten Freuds zur engen Beziehung zwischen Kultur und Psychewieder bewusst werden und die Frage nach dem Reservoir undDeutungspotential psychoanalytischen Denkens für die empirischeKulturwissenschaft stellen. Unsere Gegenwart ist wie die Zeit Freudsvon massiven gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen gekenn-zeichnet. Auch wenn die Lebensbedingungen andere sind und Men-schen anderen Werten folgen, so drängen uns viele offene Fragen nachdem, was im Individuum vorgeht und dem, was außerhalb geschieht.Wie und in welcher Weise kann dabei die Erfahrung der Psychoana-lyse zur theoretischen Durchdringung gegenwärtiger gesellschaftli-cher Phänomene beitragen und zu einem tieferen kulturellen Ver-stehen nutzbar gemacht werden?
Das Symposium soll einen Rahmen darstellen, um Fäden zusam-menlaufen zu lassen oder zu spannen und um die theoretischen und