Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXI/ 110, Wien 2007, 221-229
Das Konzept der Gruppensupervision und seineBrauchbarkeit in der sozialwissenschaftlichenForschungsarbeit
Milan Stanek
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Die empirischen Sozialwissenschaften – auch wenn ihre Forschungs-strategien vor allen Dingen auf unpersönliche Strukturen der Massen-gesellschaft ausgerichtet sind- waren nie so beschränkt, dass sie sichbloß mit einer Art Marktforschung im Dienst des Konkurrenzkam-pfes der Großfirmen begnügt hätten; oder bloß im Dienst der Groß-parteien in Wahlkampagnen gestanden wären, oder im Dienst derStaatsapparate, die die Bevölkerungsmassen zu verwalten haben undgar in einen Krieg führen. Bereits Condorcet( 1743–1794) war über-zeugt, dass die Sozialstatistik im Dienste des sozialen und politischenFortschritts stehen wird, Émile Durkheim( 1858–1917) schlug sichmit den statistischen Daten zum Selbstmord in französischen Indus-triezentren herum, um den sozialen Boden dieses Phänomens offenzu legen, und Paul Felix Lazarsfeld( 1901-1976), der neue mathema-tische Modelle in der empirischen Sozialforschung entwickelte, hat-te in seiner Bemühung, das Verhältnis zwischen den Medien undden Wählermassen zu beleuchten- nicht nur den herrschenden Elitenin Vereinigten Staaten gedient, sondern auch neue Möglichkeiten derSelbsterkenntnis dem Bürger des modernen Staates eröffnet. Dieklassische Ethnologie war ebenfalls, lange bevor das strukturalisti-sche Paradigma nach dem Zweiten Weltkrieg aufkam, vornehmlichmit unpersönlichen kulturellen Strukturen beschäftigt. Dies wargewiss folgerichtig, als es darum ging, dem hundertköpfigen Enig-ma der fremden Kulturen sich überhaupt erst ein bisschen zunähern.
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In beiden Disziplinen, Soziologie wie Ethnologie, entwickelnsich seit geraumer Zeit Ansätze, die die individuelle Person desBefragten methodisch in den Mittelpunkt der Forschung stellen undden Wortlaut seiner oder ihrer Aussagen in der Darstellung und bei