Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LXI/ 110

angelegte Studien werden Veränderungen in der Verarbeitung von Erinne-rungen in der frühen Kindheit beschrieben und die Bedeutung des Erzählensdes eigenen Lebens als ein sozial verantwortlicher Akt betont.

Abgeschlossen wird das Buch mit drei Beiträgen zu Entwicklungsstörun-gen des Gedächtnisses. Ausgehend von dem Beitrag Wolf Singers, Direktoram Marx Planck- Institut für Hirnforschung in Frankfurt/ Main, der sich mitjenen neurologischen Mechanismen beschäftigt, über die Wissen ins Gehirngelangt, weist Hans J. Markowitsch den Einfluss von Stress und Hirnschä-digung auf das autobiographische Erinnern nach. In einem gemeinsamenArtikel zeigen H. J. Markowitsch und die beiden Gerontologen Ulrich Seidelund Johannes Schröder die Störungen des autobiographischen Gedächtnissesbei leichter kognitiver Beeinträchtigung und Alzheimer Demenz auf.

Zusammengefasst werden die Erkenntnisse des Buches im abschließen-den Artikel von Marie M. P. Vanderkerckhove, einer Psychologin, Christianvon Scheve, einem Soziologen, und Hans J. Markowitsch.

Harald Welzer und Hans J. Markowitsch ist mit diesem Buch eineZusammenführung von neurologischen, psychologischen und sozialwissen-schaftlichen Perspektiven auf dem Gebiet der Gedächtnis- und Erinnerungs-forschung gelungen. Diese Interdisziplinarität macht das Buch auch für dieVolkskunde wichtig und interessant. Interpretationen autobiographischerErzählungen und biographischen Schreibens, narrative und biographischeInterviews sind Schwerpunkte des wissenschaftlichen Arbeitens im Fach.Die Beiträge dieses Bandes tragen wesentlich dazu bei, das dafür notwen-dige Wissen zu erweitern.

Grete Anzengruber

WARNEKEN, Bernd Jürgen: Die Ethnographie popularer Kulturen. EineEinführung. Wien u.a., Böhlau, 2006, 409 Seiten.

Das Besondere der an ethnographischer Feldforschung geschulten Europäi-schen Ethnologie besteht darin, dass die Forscher den behandelten Gruppenin der Rolle von ,, Partnern, Sympathisanten oder Lernenden" mit ,, ethnolo-gischem Respekt( S. 10) und mit Akzeptanz des ,, Eigensinns" der anderenKultur gegenübertreten. Die ,, Rehabilitierung popularer Kulturen" vermei-det dabei ,, Romantisierung oder Idealisierung".

Warnekens Ethnographie popularer Kulturen( auch Unterschichten-ethnographie" genannt) verfolgt anhand der Leitmotive ,, Primitivität Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitivität,,, Kreativität und ,, Widerständigkeit die ,, Kultur und Lebensweise untererSozial- und Bildungsschichten( S. 9). Eine Besonderheit der Europäischen