Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXI/ 110, Wien 2007, 429-435
Mitteilung
Der Weihnachtsbaum der österreichisch- ungarischenNordpolexpedition aus dem Jahr 1873
László Lukács
Kurt Mantel hat in seinem Buch ,, Geschichte des Weihnachtsbaumes undähnlicher weihnachtlicher Formen“ auch den sog. ,, hölzernen Weihnachts-baum“ vorgestellt. Dieser ,, Baum“ besteht aus einer hölzernen Säule, inderen Seiten Löcher gebohrt und Bretter geschlagen wurden. Diese Bretterwurden nach oben hin immer kürzer, so hatte der hölzerne Weihnachtsbaumgroße gestaltliche Ähnlichkeit mit einem echten Tannenbaum. In wald- undholzarmen Gebieten galt er als Ersatz des Tannenbaumes. Die Mannschaftder offene Meere durchstreifenden deutschen Schiffe und U- Boote stellteauch solche, sog. Seemannsbäume( Flensburg) oder Schiffer- Weihnachts-bäume( Kiel) auf. Sie wurden wie Tannenbäume mit Weihnachtsschmuck,Geschenken und Kerzen geschmückt.¹
Dr. József Gelencsér, Jurist, Volkskundler und Kunstsammler ist im Jahr2006 in einem Budapester Antiquariat auf einen Stich gestoßen, der am19. Dezember 1874 in der Leipziger Illustrierten Zeitung unter dem Titel:Eine Weihnachtsbescherung in der Polarregion. Nach einer Skizze desNordpolreisenden Karl Weyprecht erschienen war. Autor des Begleitartikelswar Dr. Julius Kepes, Schiffsarzt der österreichisch- ungarischen Nordpol-expedition.² Vor der Erklärung des Stiches sind einige Worte über dieseExpedition generell angebracht.
Ziel der österreichisch- ungarischen Nordpolexpedition( 1872-1874) wares, mit der Umgehung von Nowaja Semlja über das Nordpolarmeer dieBeringstraße zu erreichen und die Nord- Ostpassage vom Pazifischen zum
1 Mantel, Kurt: Geschichte des Weihnachtsbaumes und ähnlicher weihnachtlicherFormen. Eine kultur- und waldgeschichtliche Untersuchung. Hannover 1975,S. 149-150.
2 Gelencsér, József: Karácsony az Északi- sarkvidéken. Fehérvári Polgár, Székes-fehérvár, 12. Jg., Nr. 12, S. 27; Kepes, Julius: Ein Weihnachtsabend in derPolarregion. In: Illustrierte Zeitung. Leipzig, 19. Dezember 1874, Nr. 1642,S. 499-500.