Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LXI/ 110, Wien 2007, 437-469
Chronik der Volkskunde
,, Wissen und Geschlecht"
11. Arbeitstagung der Kommission für Frauen- undGeschlechterforschung der DGV,
Wien, 22. bis 24. Februar 2007
Was passiert mit Wissen wo, wann und warum? Wer bestimmt, was Wissenist und wer erzeugt eben dieses? Wie lassen sich diese Fragen in Beziehungzu Geschlecht setzen? Wie verhält sich also Wissen zu Geschlecht, wieGeschlecht zu Wissen? Das damit angedeutete vielschichtige Gefüge vonWissen und Geschlecht in seinen gesellschaftlichen wie historischen Di-mensionen bedarf in Bezug auf eine allseits proklamierte ,, Wissensgesell-schaft" einer ideologiekritischen Ausleuchtung.
Ziel der von der Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung derDeutschen Gesellschaft für Volkskunde und dem Institut für EuropäischeEthnologie der Universität Wien veranstalteten Tagung ,, Wissen und Ge-schlecht" war es, der Tatsache, dass Geschlecht und Wissen den unterschied-lichen Disziplinen als Untersuchungsgegenstände wie als Analysekategori-en dienen, durch die Einladung von Forscherinnen aus verschiedenen Be-reichen gerecht zu werden und auf diese Weise eine kritische und interdis-ziplinäre Kommunikation zu forcieren. Die Tagung fokussierte ferner diedem Diskurs zugrunde liegenden hegemonialen wie populären Wissensde-finitionen, die im Empirischen ihren wirkmächtigen Niederschlag finden.Wissens- und Wissenschaftskulturen generieren einen differenzierten Wis-sensbegriff und unterschiedliche, sich mitunter auch überschneidende Wis-sensformen wie Experten-, Erfahrungs-, Körper- und Alltagswissen, derenGenderisierung über ein relationales Machtgefüge„ regiert“ wird. Vieraufeinander folgende Tagungsabschnitte trugen dem Rechnung, indem siesich auf nachstehende, sich wechselseitig beeinflussende Problemfelderkonzentrierten:
1.
2.
3.
4.
Figuration von Wissen und Geschlecht( Körperwissen)Wissensmodelle,-konzepte und Geschlecht
Probleme des expliziten und impliziten Wissens( Konkurrenzenzwischen den Geschlechtern, alternative Lebensentwürfe)
Pluralisierte Formen und Figuren der Wissensproduktion in Kultur-wissenschaft und Geschlechterforschung