Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
Seite
471
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LXI/ 110, Wien 2007, 471-485

Literatur der Volkskunde

NIKITSCH, Herbert: Auf der Bühne früher Wissenschaft. Aus der Ge-schichte des Vereins für Volkskunde( 1894–1945)(= Buchreihe der Österrei-chischen Zeitschrift für Volkskunde, neue Serie Band 20.). Wien, Selbstver-lag des Vereins für Volkskunde, 2006. 416 Seiten, Ill.

Wer tief in die Quellen seiner Forschung taucht, fühlt sich darin halbheimisch und halb befremdet, freut sich vielleicht ob der Fülle, und lässtauch ein wenig des vergangenen Sprachduktus in sein eigenes Idiom ein-fließen. Herbert Nikitschs Studie zur Geschichte des Wiener Vereins fürVolkskunde zeugt von solch tiefer Involvierung in den Forschungsgegen-stand, wird aber gleichzeitig auch getragen von seiner breiten Belesenheit,wodurch die sehr dicht entlang der Quellen gehaltene Erzählung- und alssolche ist dieser Band unter anderem durchaus auch intendiert- nicht seltenin feiner Ironie verdichtet wird. Erarbeitet werden in drei großen, chronolo-gisch geordneten Kapiteln die Gründerjahre des Vereins, die Konsolidierungder Sammlung in ein Museum sowie die Zeit des ,, Dienstes an der Heimat"bzw. die Teilhabe des Faches in seiner österreichischen Ausprägung andeutschnationaler bis nationalsozialistischer Ausrichtung. Im vierten undletzten Kapitel erfolgt ein Ausblick auf den Verein und sein Gepräge imRahmen von Leopold Schmidts österreichischer Nachkriegsvolkskunde.

Die Stimme Leopold Schmidts begleitet den Leser jedoch durchgängig,da Nikitsch dessen wissenschaftsgeschichtliche Bestandsaufnahme und bis-weilen kritisch distanziertes Urteil in seine Studie hin und wieder einfließenlässt. Dies geschieht, so Nikitsch ,, in der Überzeugung, dass eine derwichtigsten Voraussetzungen kulturwissenschaftlicher Forschung auch beider Aufarbeitung von Wissenschaftsgeschichte, wie sie hier im Spiegel derVereinsgeschichte betrachtet wird, nicht ausgespart werden kann: eine Per-spektive nämlich, die der Reflexion jeweils bestimmender Verhaltensweisenund Kulturmuster im Forschungsprozess sich verpflichtet fühlt- und diegegenwärtige Forschergeneration vor die Aufgabe einer, Selbstethnogra-phie des Ethnographen stellt( S. 252-253). Und während diese HaltungSchmidt selbst nicht entsprach, wie Nikitsch einräumt, tragen dessen wis-senschaftliche und persönliche Schriften und Dokumente zu diesen doppel-ten Reflexionsschritten bei. Leopold Schmidt ermöglichte wenn auch intheoretisch engerer Ausrichtung als etwa Richard Weiss für die Nach-

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