Jahrgang 
110 (2007) / N.S. 61
Seite
479
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2007, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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FRANZEN, Brigitte und Stefanie KREBS( Hg.): Mikrolandschaften/Microlandscapes. Landscape Culture on the Move(= Gegenwartskunst+Theorie, Band 1). Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturge-schichte, Münster 2006, 351 Seiten, 94 s/ w Abb.

Die Landschaftsarchitektin Stefanie Krebs und die Kunst- und Kulturwis-senschaftlerin Brigitte Franzen editierten mit dem Buch Landschaftstheorie2005 erstmals einen Aufsatzband, der einen umfassenden Überblick überdie durch John Brinckerhoff Jackson in den USA entstandenen CulturalLandscape Studies in deutscher Übersetzung bot.¹ Brinckerhoff JacksonsLandschaftsverständnis repräsentierte bereits Anfang der 50- er Jahre einModell, das sich vom klassischen Landschaftsbegriff abwandte und dafürplädierte, auch urbane Architektur wie Shopping Malls, Straßenzüge u.ä. alsTeil einer kulturellen, sozialen und politischen, Alltags- Landschaft zubetrachten( S. 6). Auch in vorliegendem Aufsatzband wird auf BrinckerhoffJackson von einigen AutorInnen Bezug genommen.

Die titelgebende Raumkategorie Mikrolandschaft erfährt mit dem Unter-titel ,, Landscape Culture on the Move ihre erste Konkretisierung. DasUmschlagdesign des A5 großen Buches folgt dem Postulat, dass sich dessenInhalt um etwas Dynamisches- Bewegliches dreht: Schwarze- horizontalverlaufende- Wellenlinien, mit schwacher Amplitude in etwa einem Milli-meter Abstand aneinander gereiht, verursachen eine einfache optische Täu-schung, welche die Wellen als dreidimensionales bewegtes Gebilde erschei-nen lassen. Mit seinem schlichten aber durchdachten Layout ist der Bandunter eine Reihe von optisch höchst ästhetisch aufgemachten Bücherneinzuordnen, die in den letzten Jahren an der Schnittstelle zwischen Archi-tektur, urbaner Kultur und( angewandter) Kunst entstanden sind.²

Mikrolandschaft zu englisch Microlandscape- ist in diesem Kontextein vergleichsweise neuer wissenschaftlicher Begriff. Der schwedische Um-welthistoriker Sverker Sörlin verwendete ihn erstmals 2002 in Zusammen-hang mit urbaner Architektur und Globalisierung( S. 12f). Mikrolandschaf-ten sind nicht so sehr nur auf das Räumliche beschränkt, sondern bezeich-nend für sie ist ,,, dass sie in Bewegung erfahren werden, differenziert durcheine spezifische Relation von Raum und Zeit, Nähe und Ferne, Bewegungund Verweilen, Geschwindigkeit und Stillstand. Der Begriff Mikroland-schaft an sich impliziert ,, eine systemische Struktur in abgegrenzter Form"

1 Franzen, Brigitte und Stenfanie Krebs( Hg.): Landschaftstheorie. Texte derCultural Landscape Studies. Köln 2005.

2 Siehe zum Beispiel Haydn, Florian und Robert Temel( Hg.): Temporäre Räume.Konzepte zur Stadtnutzung. Basel- Bosten- Berlin 2006.