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Literatur der Volkskunde
ÖZV LXI/ 110
len mit dieser dynamischen und deshalb auch erweiterbaren Kategorie zurBeschreibung unseres öffentlichen Alltagsraums auf. Die Essays sind auchaufgrund ihrer Übersichtlichkeit für disziplinäre EinsiedlerInnen verträglichund machen es den LeserInnen leicht, zu den einzelnen Zugängen zu finden.Die Optik des Covers täuscht ganz und gar nicht: es bewegt sich wirklichetwas. Empfehlenswert!
Max Leimstättner
MARSCHIK, Matthias u.a.( Hg.): Das Stadion. Geschichte, Architektur,Politik, Ökonomie. Verlag Turia und Kant, Wien 2005. 448 Seiten, s/ w- Abb.
Die internationalen Stadien oder Fußball- Arenen sind der Ort, an dem sichBeziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Teile der Gesellschaftund zwischen den Ordnungen beziehungsweise Regeln auf dem Spielfeldwie auch auf den Zuschauerrängen im Spannungsverhältnis zwischen ,, frei-em Sport“ und Instrumentalisierung durch Politik, Wirtschaft oder Medienaufbauen. Obwohl man im Stadion einer weitgehend von Politik und Wirt-schaft unabhängigen Sportauffassung zu begegnen glaubt, sind Stadionbe-sucherInnen verschiedenen politischen, gesellschaftlichen oder ökonomi-schen Einflüssen ausgesetzt. Das Stadion als ,, männlich" geprägter Ort¹ giltsowohl als städtischer Repräsentationsbau und als Ort politischer odernationaler Manifestationen, wie auch als Ort wirtschaftlichen Erfolges oderals popularkultureller Raum, in dem sich Massen, Männlichkeiten undlokale Mentalitäten in spezifischer Weise artikulieren. Diese Vieldeutigkeitwird in dem zu besprechenden Band ,, Das Stadion. Geschichte, Architektur,Politik, Ökonomie“ bereits in der multidisziplinären Herangehensweise andas Thema deutlich, da die Herausgeber VertreterInnen aus zahlreichenunterschiedlichen Institutionen zu Wort kommen lassen. Somit werden derLeserin und dem Leser Beiträge präsentiert, in denen oft zu ähnlichenErgebnissen gefunden wird. Das Stadion als Repräsentant von Freizeit undals gleichzeitiger„ Freiraum für Ideologien“ sollte sich, so Autoren undFans, einer zunehmenden Überwachung oder Kommerzialisierung vonAußen bewusst werden und in weiterer Folge jener entgegentreten. Für vieleAutorInnen bergen die gegenwärtigen Vereinnahmungen des Stadions dieGefahr, eine ,, typische“ Atmosphäre des Fußballsportes mit seiner ,, klassi-schen" Fankultur zu verdrängen. Dabei stellt sich die Frage, ob die positiven
1 Vgl. dazu: Kreisky, Eva und Georg Spitaler( Hg.): Arena der Männlichkeit. Überdas Verhältnis von Fußball und Geschlecht. Frankfurt am Main u.a. 2006.