Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
37
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LVI/ 105, Wien 2002, 37-60

Chronik der Volkskunde

Wintertraum

Vom Schlittenfahren und Rodeln

Eine Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskundevom 2. Dezember 2001 bis 12. Februar 2002

Das Thema der heurigen Winterausstellung des Österreichischen Museumsfür Volkskunde veranschaulicht einen Aspekt der winterlichen Vergnü-gungskultur über mehrere Jahrhunderte: Die Ausstellung ,, Wintertraum.Vom Schlittenfahren und Rodeln"( 2.12.2001-12.2.2002) zeigt kostbare undkuriose Exponate aus den Sammlungen des Museums, ergänzt um je eineLeihgabe des Landschaftsmuseums Trautenfels und des Historischen Muse-ums der Stadt Wien. Schlitten und Rodeln, damit werden heute vorwiegendsinnliche Eindrücke verbunden: Erinnerungen an Rodelpartien über ver-schneite Wiesen, an Schlittenfahrten durch Tannenwälder vorbei an verei-sten Bächen, an klare Luft und glitzernden Schnee. Der Schlitten ist einGerät geworden, mit dem wir Vergnügen, Freude und Spaß verbinden.

Schlitten zu Vergnügungszwecken eingesetzt können ab dem 15. Jahr-hundert belegt werden. Die Bürger der spätmittelalterlichen Städte verwen-deten künstlerisch verzierte Schlitten, deren Aufbau über längere Zeit hin-weg unverändert blieb: eine schmale Schlittentruhe mit zwei hohen Lehnen,die zwei Personen Platz bot, war über ein Gestell mit den Kufen verbunden;der Kutschierende saß auf dem Reitsitz, der an der hinteren Lehne ange-bracht war. Diese Art der ,, Gasselschlitten" war bis in das 16. und 17. Jahr-hundert in Verwendung und wurde auch in der Folge technisch nur wenigverändert. Allerdings wurde sie immer reicher ausgestaltet, was Predigerveranlaßte, dagegen ins Felde zu ziehen.' Johannes Capistrano etwa wetterte1452 in Nürnberg gegen den ,, überflüssigen Luxus", woraufhin 72 Schlittenöffentlich verbrannt wurden. In diesem Sinne dienten Schlitten auch zurVerkörperung der ,, verkehrten Welt bei verschiedenen Fastnachtsumzügen.Im Schembartlauf in Nürnberg fuhr zum Beispiel die ,, Hölle von 1475 bis1524 auf einem Schlitten. Auch Sebastian Brandt nennt den Schlitten alsgeeignetes Fahrzeug für Narren.²

Aber nicht nur für Fastnachtsumzüge wurden Schlitten eingesetzt, auchSchlittenrennen waren bereits im 16. Jahrhundert üblich, ebenso wie öffent-