Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVI/ 105

Kulturelle Identität, Migration und europäische Perspektiven

2. Tagung zum EU- Projekt ,, Born in Europe" in Berlinvom 31. Jänner bis 1. Februar 2002

Nach einer ersten informellen Tagung in Berlin vor etwa einem Jahr( vgl.Bericht in ÖZV LV/ 104, Wien 2001, 185-187) fand nun Ende Jänner,Anfang Februar 2002 in der Europäischen Akademie in Berlin- Grunewaldeine zweite Arbeitstagung statt, die den offiziellen Start des von den beidenBerliner Museen, Heimatmuseum Neukölln und Museum Europäischer Kul-turen in Berlin- Dahlem, initiierten EU- Projekts ,, Born in Europe" markierte.Die Tagung gliederte sich in einen inoffiziellen Arbeitsteil von je einemhalben Tag zu Beginn und am Ende, der den internen Beratungen derProjektpartner gewidmet war, und in einen offiziellen Teil, der die europäi-schen Migrationsbewegungen in historischen und aktuellen Bezügen thema-tisierte und die damit verbundenen Fragen der kulturellen Identitäten indiesem ,, neuen Europa vor allem im Hinblick auf die Perspektiven vonMinderheitskulturen und verschiedenen Religionsgemeinschaften sowie deszukünftigen Selbstverständnisses der osteuropäischen Beitrittsländer aufzu-zeigen versuchte.

Wovon da konkret die Rede ist und wie vielschichtig sich die Sichtweisendarstellen, wurde in den Begrüßungsworten der Berliner Gastgeber und inden Eröffnungsstatements von Vertretern verschiedener Religionsgemein-schaften und von diplomatischen Vertretern der Republiken Portugal undPolen durchaus deutlich. Der Bezirksstadtrat für Bildung, Schule und Kulturvon Berlin- Neukölln hatte zu berichten, daß der ausländische Bevölkerungs-anteil in seinem Bezirk 30% beträgt, und dieser wiederum 78% aller Neu-köllner Grundschüler ausmacht. Da stellen sich selbstverständlich Problemesowohl für die Handhabung zukünftiger Einwanderungspolitik als auch füreine adäquate Integration der bereits in der Stadt lebenden Migranten. Daẞhier das Heimatmuseum Neukölln vorbildliche Kulturarbeit leistet, ist be-kannt und wurde auch durch das Programm des Museums für die, LangeNacht der Berliner Museen", welche gerade am Ende der Tagung stattfand,wiederum unter Beweis gestellt. Man lud zu einer Langen Nacht derFlüchtlinge", bei der neben einem Erfahrungsaustausch mit Betroffenen,Lesungen und einem Konzert auch Spezialitäten aus den unteschiedlichenHerkunftsländern der Gäste geboten wurden.

An seiner eigenen Biographie knüpfte der Sprecher der Botschaft desStaates Israel die Identitätsfrage an. Die Eltern und Großeltern des in Israelgeborenen Gesandten stammten selbstverständlich aus Europa, doch diepersönliche Identität des in Berlin lebenden Diplomaten stelle sich dadurch