2002, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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kreiert wird. Anhand von drei historischen Beispielen wird bei Bjarne Rogandeutlich, wie das Reisen auch zu verschiedenen Zeiten von gleichen undvergleichbaren Strukturen und Regelhaftigkeiten gekennzeichnet ist. Nachder Entdeckungsphase folgt die allgemeine Verbreiterung des Feldes unddann seine Trivialisierung durch Verallgemeinerung, die zur Suche nachneuer Authentizität und Originalität führt. Silke Göttsch untersucht nebender räumlichen Orientierung des Reisens im 19. Jahrhundert die gleichzeitigeinsetzende massenmediale Aufbereitung des Phänomens in Dioramen oderin Kulturinszenierungen auf Weltausstellungen. Das hat nicht nur zu einerBewegung von Nordland- Begeisterung geführt, sondern das in dieser Zeitgeformte Schwedenbild wird in der Gegenwart z. B. durch das MöbelhausIkea genutzt. Mit einem anderen Phänomen medialer Vermittlung setzt sichUeli Gyr auseinander, mit Kitsch als Kategorie journalistischer Vermittlung,die die Zementierung von Werten im Alltag bewirkt. Der Beitrag von ReginaBendix durchleuchtet die Suche nach und in der Vergangenheit am Beispieleines ,, Historic- Reactment", der Landung der Briten bei New York 1777.Die Neuinszenierung als Kriegsschauspiel stellt ein mehrschichtiges Erleb-nisfeld dar, das in sich reflexiv ist und durch Ungleichzeitigkeit, vergleich-bar den Passionsspielen, zu einem erhöhten Lustgewinn führt. ChristelKöhle- Hezinger demonstriert hingegen, wie ein alltagskulturelles Verhältnisneu ge- und erfunden wird. Das neue Mensch- Tier- Verhältnis als medialesBärenphänomen jenseits der kollektiven Erinnerung an Bärenführer o. ä. istTeil der Lebensumwelt geworden und verstärkt im Zusammenhang mit
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dem Weihnachtsfest- heute optisch überall präsent. Eine auf anderer Ebenegelagerte Aneignung zeigt Klaus Beitl mit der Adaption des Pelikanzeichensfür das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien. Den Schlusspunktsetzt Christine Burckhardt- Seebass mit Reflektionen über Studentenexkur-sionen. Doch letzten Endes ist die Anschauung vor Ort eine grundsätzlicheForderung an die Wissenschaft, hinauszugehen, das Leben der Menschen zubeobachten, mit wissenschaftlichen Methoden zu erfassen, um, so folgertdie Rezensentin, das in diesem Band gezeichnete Szenario kulturanalytischfortzuschreiben.
Bärbel Kerkhoff- Hader
BALLHAUS, Edmund( Hg.): Kulturwissenschaft, Film und Öffentlich-keit. Münster u.a., Waxmann Verlag, 2001, 299 Seiten.
Der Herausgeber Edmund Ballhaus, Vorsitzender der Filmkommission inder Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Leiter des Studienschwerpunk-tes Visuelle Anthropologie" am Seminar für Volkskunde der Universität