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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVI/ 105
Filme mit ,, Verlierer, Idioten, Amokläufer" übertitelt. Er kommt in seinerBeschäftigung mit Werken von Aki Kaurismäki, Rainer Werner Fassbinder,Ermanno Olmi, Lars von Trier u.a. zu dem Schluß, daß der fiktionale Filmzwar bessere Möglichkeiten als der Dokumentarfilm besitzt, Themen ausgesellschaftlichen Randbereichen darzustellen, daß letzterer aber ,, für fort-schrittliche, sozialkritische Regisseure[...] einen Fundus an Themen undstilistischen Mustern bereithält“ und überdies ,, ästhetische Opposition ge-gen das kommerzialisierte, industriell hergestellte Kino[...] ist“. BeideGenres ergänzen einander; gegen ,, die ökonomische und ideologische Über-macht der Filmindustrie sind Dokumentarfilm und engagierter Spielfilmnatürliche Verbündete": der bewußte Einsatz dokumentarischer Mittel imSpielfilm durch Filmemacher ,,, die die gesellschaftliche Realität thematisie-ren und damit verändern wollen“, dient nicht nur ,, der Erneuerung derFilmkunst", sondern soll auch die ,, Aufhebung der Trennung zwischenKunst und Leben“ bewirken- ein Satz, der ebenso als Motto für publikums-wirksame kulturwissenschaftliche Filme gelten müßte.
Nicht allein diese vier, auch alle anderen Beiträge wird man als nicht nuram Thema ,, Film und Wissenschaft" Interessierte/ r mit Gewinn lesen; sie-die Beiträge- zeigen u.a., um nochmals den Herausgeber zu zitieren ,,, wiegleichberechtigt und fruchtbar Theorie und Praxis nebeneinander existierenkönnen“. Noch besser wäre allerdings, würden sie häufiger miteinanderexistieren.
Olaf Bockhorn
KAMMERHOFER- AGGERMANN, Ulrike, Alexander G. KEUL( Hg.für das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde): ,, The Sound of Music"zwischen Mythos und Marketing(= Salzburger Beiträge zur Volkskunde,Bd. 11). Salzburg, Selbstverlag des Salzburger Landesinstituts für Volks-kunde, 2000, 394 Seiten.
Die Autorinnen und Autoren des Bandes haben sich die Aufgabe gestellt, ein,, international verbreitetes Salzburg- Klischee und damit verbundene Aspek-te der Alltagskultur zum Thema einer weiteren interdisziplinären kulturwis-senschaftlichen Zusammenarbeit zu machen."( Vorwort) Herausgekommenist ein hochinteressanter Sammelband mit insgesamt 29 breit gefächertenBeiträgen. Nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Heimatforscher, Orts-chronisten, Touristiker und Literaten haben sich aus verschiedensten Blick-winkeln mit dem Leben der Familie Trapp und dem Mythos, der nicht zuletztdurch die Kinofilme und das Musical ,, The Sound of Music" entstand,