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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVI/ 105
Alexander G. Keul, zweiter Herausgeber des Bandes, seziert in seinemBeitrag ,, The Sound of Virtue" jene Mechanismen, die den Film besondersdie Herzen des amerikanischen Publikums erobern ließen. Dieser wirdnämlich, so Keul, durch die Kombination von ,, Familie- Kinder- gute- neue-Mutter- Musik"( S. 322) zum„, Inbegriff aller puritanischen Werte, für die essich als Familie zu leben lohnt.“( S. 321) Die Heirat der Ersatzmutter, dieeigentlich Nonne werden wollte, mit dem verwitweten Vater von sieben Kindernsteht damit für eine ,, erfolgreich übernommene christliche Aufgabe“( S. 319).Als starke Frauengestalt und Hausherrin vertritt die neue Mutter sowohl das inden 1950er Jahren populäre Ideal der Großfamilie als auch das Gedankengut derweiblichen Emanzipationsbewegung. Auch Reinhard Bachleitner und MartinWeichbold, Hans Jürgen Kagelmann, Peter Laub sowie Ulrike Zechner- Kamber-ger konzentrieren sich in ihren Beiträgen auf den Marketing- Aspekt des Themas.Die sechs Aufsätze des letzten Teils ,,, The Sound of Salzburg?"( vonUlrike Kammerhofer- Aggermann, Thomas Huber, Reinhold Wagenleiter,Helga Embacher, Christian Strasser), machen vor allem die Klischees zumThema, wie sie durch die Hollywood- Verfilmung entstanden sind. Wirddurch den Film überhaupt ein Bild von Salzburg transportiert? Welche Bildervon Salzburg und Österreich existieren neben jenen von der„, heilen Welt",die von Mozart, Sachertorte und Lippizanern lebt? Der reich bebilderteSammelband bietet im Anhang unter anderem ein ausführliches Interviewmit Baronin Maria Augusta von Trapp, das 1973/74 von Sepp Wimmergeführt wurde. Es ist hier nicht möglich, alle Beiträge dieses komplexen,fundierten und gleichzeitig unterhaltsam zu lesenden Buches anzuführen. Esist sicherlich für jeden interessant, der sich mit„, modernen Mythen“ be-schäftigt die Geschichte und Vermarktung der Familie Trapp kannstreckenweise exemplarisch als eine von vielen gelesen werden. Doch ist derBand nicht nur europäischen Kulturwissenschaftlern, sondern auch jenenPersonen und Gruppen vor Ort, die sich für Landesgeschichte und Hi-störchen interessieren, zu empfehlen.
Sabine- Else Astfalk
TSCHERNOKOSHEWA, Elka: Das Reine und das Vermischte. Diedeutschsprachige Presse über Andere und Anderssein am Beispiel der Sor-ben(= Reihe ,, Hybride Welten“, Bd. 1). Münster/ New York/ München/ Ber-lin, Waxmann Verlag, 2000, 199 Seiten.
Reinheitstraum( a)- Diskursanalyse kultureller Andersheit. Hatte die Volks-kunde selbst über Jahrzehnte am ,, stahlharten Gehäuse der Zugehörigkeit“( Max Weber) mitgestrickt und-geflickt, gehört die Erforschung der Kon-