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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVI/ 105
mitwirkten. Die sozialwissenschaftliche Perspektive( Inge Buch, NigelSwarn und die Herausgeberinnen) nährt weder Entwicklungserwartungennoch systemtreue Reformphantasien der Kleinstlandwirtschaft. Das Gärt-nern wird als die praktizierte Antithese zur Globalisierung verstanden. Dassdie Revolution, sprich der radikale Umbau der herrschenden Ordnung, ihreMaßstäbe von den Gärtnern entlehnt, wäre tatsächlich wünschenswert.Wenn es nach La Via Campesina, einem weltweiten Zusammenschluss vonKleinbäuerInnen, ginge, wären die GärtnerInnen und KleinbäuerInnen dieAkteure des notwendigen, radikalen Wandels, nicht nur in der Landwirt-schaftspolitik, sondern auch der herrschenden Ordnung. Die Botschaft überdie steigende Relevanz von Gärten und Kleinstlandwirtschaft in Stadt undLand beflügelt diese Hoffnungen auf alle Fälle.
Martina Kaller- Dietrich
GÖTTSCH, Silke, Albrecht LEHMANN( Hg.): Methoden der Volkskun-de. Positionen, Quellen, Arbeitsweisen der Europäischen Ethnologie. Ber-lin, Reimer, 2001, 336 Seiten.
Mit dem in glänzenden grauen Karton eingeschlagenen Band ,, Methodender Volkskunde“ aus der Reihe ,, Ethnologische Paperbacks" des BerlinerVerlages Dietrich Reimer ist uns Studenten und Studentinnen der Europäi-schen Ethnologie ein inhaltreiches Buch in die Hand gelegt. Und das möchtees ja auch sein, ein Handbuch, und Auskunft geben über ,, Positionen,Quellen, Arbeitsweisen der Europäischen Ethnologie“. Damit wenden sichdie Herausgeber Silke Göttsch und Albrecht Lehmann ausdrücklich anStudierende in höheren Semestern und an Studierende und Lehrer derNachbardisziplinen, um ihnen einen praxisorientierten Überblick über dieaktuell verwendeten Quellen und Methoden zu geben. Als Handbuch zeich-net es nicht nur ein Bild der Disziplin und der spezifischen Wissenschafts-kultur, es gibt einen Ausschnitt des wissenschaftlichen Diskurses frei undwirkt kraft seiner Autorität selbst diskursformend.
Dieser Band versammelt vierzehn, aufs Erste recht divergent erscheinen-de Aufsätze in der Absicht, historische sowie gegenwartsbezogeneForschungsfelder und Autoren und Autorinnen aus allen Forschergeneratio-nen in ihren unterschiedlich ausgerichteten Zugangsweisen und Forschungs-interessen vorzustellen. Dennoch ist es nicht so, dass eine Wissenschaft, dieihre Forschungsobjekte als„, moving targets"( Gisela Welz) empfindet,selbst in der Eigenrepräsentation zu einem solchen wird: Der Untertitel desBandes vermittelt den Eindruck einer Vielfalt, die in einem sicheren Selbst-verständnis des Faches geborgen scheint.