Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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2002, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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kulturellen Praktiken, die sich der Beobachtung entziehen( S. 23) und ausdenen jene Bedeutungen erarbeitet werden müssen, die ihnen die mittelbarenund unmittelbaren Verfasser gegeben haben. An Albrecht Lehmanns fachge-schichtlicher Einordnung der, Bewußtseinsanalyse( S. 233–249) erweistsich, dass erkenntnistheoretische Paradigmenwechsel und der Wandel desKulturbegriffs nicht nur zur grundlegenden Selbstreflexion der Forscherauffordern, sie verlangen teilweise eine beinahe völlig neue Bearbeitung derSachgebiete und eine neue Befragung der Quellen und Materialien unterdiesen Aspekten.

Die Darstellung der Quellen und ihres methodisch und theoretisch reflek-tierten Einsatzes lässt in die Konstruktion von Wissensmodellen Einblicknehmen. Eine mit neuem Selbstbewusstsein auftretende Europäische Ethno-logie stellt sich als historisch argumentierende Kulturwissenschaft dar, derenerstes Ziel die Rekonstruktion vergangener und die Analyse gegenwärtigerLebenswelten ist. Mit Hilfe ,, weicher" Methoden und einem verstehendhermeneutischen Ansatz nähert sie sich dem dichten Netz von immer neuhergestellten Bedeutungs- und Sinnbezügen, die in Abhängigkeit zu sozia-len, historischen und politischen Faktoren wechselnde symbolische Ordnun-gen konstituieren. Wissenschaftliches Arbeiten der Europäischen Ethnolo-gie versteht sich als Teil eines gesellschaftlichen Prozesses in einem rezipro-ken Verhältnis von Forscher, Wissenschafts- und gesellschaftlichen Diskur-sen. Hans Blumenbergs ,, Immer leben wir zwischen den Extremen desZerfallens und der( Re-) Integration" wird notwendige Basis für ernstzuneh-mendes wissenschaftliches Arbeiten. Dies macht dieses Buch deutlich!Brigitte Starzinger

KRETZENBACHER, Leopold: Vergleichende Volkskunde Europas. Ge-samtbibliographie mit Register 1936–1999(= Münchner Beiträge zurVolkskunde, Bd. 25). Münster, New York, München, Berlin, Waxmann,2000, 107 Seiten, 1 Abb., ISBN 3-89325-840- X.

Die Gesamtbibliographie des einzigen noch lebenden tatsächlichen Ver-treters einer ,, Ethnologia Europaea", der in Kürze seinen 90. Geburtstagfeiern wird, ist nach den Vorarbeiten der Festschriftbibliographien 1977,1989 und 1993, an denen Elfriede Grabner, Gerda Möhler, Georg R. Schrou-bek und Hans Schuhladen beteiligt waren, nun doch noch in Buchformerschienen, leider wiederum ohne die Rezensionen Kretzenbachers( aufZeitungsbeiträge, Rundfunkmanuskripte und Übersetzungen kann eher ver-zichtet werden), die, in die Hunderte gehend und zum Teil sehr ausführlich,