92
Buchanzeigen
ÖZV LVI/ 105
Insgesamt, auch wenn man Vargas Llosa nicht immer folgen kann oderwill, ein lesenswertes Buch lesenswert jedenfalls für jene, die Gesell-schaftsrelevanz immer noch für ein Kriterium des Stellenwertes von Kultur-und Sozialwissenschaften betrachten und denen der heute selten zitierteSatz, daß eine Wissenschaft ohne bedeutende Probleme eine unbedeutendeWissenschaft ist, wichtiger ist als selbstgefällige Beliebigkeit.( OB)
MALLI, Rudolf: Der Schatz im Keller. Zur Weinwirtschaft der Waldviert-ler Klöster(= Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes, 41). Horn,Waidhofen/ Thaya, Selbstverlag des Waldviertler Heimatbundes, 2001, 304Seiten, Schwarzweißabbildungen.
Rudolf Malli hat im Grunde zwei Bücher in einem vorgelegt. Einerseitskonzentriert er sich in seiner, von Michael Mitterauer betreuten Dissertationauf die Entwicklung der Weinwirtschaft der Waldviertler Klöster Altenburg,Geras/ Pernegg und Zwettl im 17. und 18. Jahrhundert, auf einen spezifischenAusschnitt niederösterreichischer Wirtschaftsgeschichte also. Darauf liegtauch der empirische Schwerpunkt der Studie, in der Malli detailgenau diehier entwickelten Formen, insbesondere aber die Funktionen und Abläufe,die Chronologien und die Konjunkturen klösterlicher Kellerwirtschaft be-schreibt.
Andererseits greift er mit seiner Darstellung dann, wenn es um Grundla-gen klösterlicher Wirtschaftsmodelle geht, sehr weit aus, bisweilen zu weit.Im Bemühen um eine ,, vergleichende Landesgeschichte“( Vorwort) fragtMalli nach der Rolle der Klöster bei der Entstehung von Weinlandschaften;dabei geht er u.a. auf die Weinwirtschaft der altbayerischen Stifte in Südtirolund im österreichischen Donauraum ein. In einem allgemeinen Kapitel zurVermarktung des Weines( immer in Konkurrenz zum Bier) interessiert sichder Autor für den ,, Alkoholkonsum als historisches und soziales Phänomen"( Überschrift); zumal solche Kapitel fallen allzu knapp aus als daß sie für denLeser noch informativ sein könnten das Thema Alkohol und Kirche"etwa läßt sich auf einer Textseite schwerlich abhandeln.( KL)
-