Jahrgang 
105 (2002) / N.S. 56
Seite
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2002, Heft 1

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VOLKSKULTUR NIEDERÖSTERREICH( Hg.): Allerley Umzüge. Howlong can you go?(= Jahrbuch Volkskultur Niederösterreich). Atzenbrugg,Selbstverlag Volkskultur Niederösterreich, 2001, 111 Seiten, Schwarzweiß-abbildungen.

Wer wie ich zufällig auf einem regionalen Radiosender die Buch vorstellungdes Jahrbuches mitverfolgt hat, mußte einen einigermaßen schiefen Ein-druck vom Inhalt dieses Bandes gewinnen. Denn da war vor allem davondie Rede, daß der Band praktische Hinweise und Anleitungen an die Handgebe und sich vor allem an diejenigen richte, die Umzüge initiieren undorganisieren. Sicherlich: Es gibt da Kapitel bzw. Artikel, die sich mitkonkreten, nützlichen Informationen an diejenigen wenden, die Kulturarbeitbetreiben: Ernst Graf etwa protokolliert in einem Beitrag einen Workshopzum Thema Schritt- und Tanzformen im Umzug, in einem zweiten beschäf-tigt er sich mit der Logistik von Umzügen. Franz Stättner widmet sich demThema ,, Musik in Bewegung" etwa unter dem Aspekt, welche Kompositio-nen und Melodiefolgen für Umzüge besonders geeignet sind.

Doch steht die volkskundlich- kulturwissenschaftliche Perspektive, dieBefragung der Kulturtechnik Umzug und des ,, Massenmediums Straße"( Bernd Jürgen Warneken) im Vordergrund der Aufsätze des Jahrbuches.,, Besonders aber möchten wir dazu anregen, Umzüge zu beobachten und derFrage nach ihrem Sinn, ihrer Bedeutung und ihrer Funktion nachzugehen.Der Umzug selbst bildet den Rahmen für öffentlichkeitswirksames Auftre-ten, darüber hinaus sind die jeweils mittransportierten Inhalte zu beachtenund einzuordnen, inwieweit diese problematisch oder unbedenklich sind.( Vorwort) Es sind ,, allerley, eben ohne Anspruch auf Vollständigkeit Um-züge in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und kulturellen Zusam-menhängen und Funktionen, auf die die Autorinnen und Autoren eingehen.Wolfgang Dafert thematisiert die Entwicklung von Schützenvereinen, Pa-tricia Pirkner, aber auch Walter Deutsch und Bernhard Gamsjäger konzen-trieren sich auf die Wallfahrt als Form des Umzugs. Christiane Preisingerbehandelt das Thema Tracht im Kontext öffentlicher Festzüge. Einleitendschlägt Franz Grieshofer einen weiten Bogen von den, Wiener Wanderta-gen", den Donnerstagsdemos in Wien gegen die schwarzblaue Regierung,über Triumphzüge in der Antike, mittelalterliche Prozessionen bis hin zubürgerlichen Historienfestzügen; innerhalb dieser Chronologie verweist erauf die je unterschiedlichen und sich wandelnden Funktionen, gerade aucheiner Ästhetik des Gehens.( KL)